Nach Jahreszeit
Saisonaler Bestimmungsführer für Schmetterlinge: welche Arten im März, April, Mai, Juni, Juli, August und Herbst fliegen — mit Beispielen nach Monat.

Wie die Jahreszeit bei der Bestimmung hilft
Die Jahreszeit ist eines der schnellsten Merkmale zur Eingrenzung der Suche. Viele Arten fliegen nur in einem festgelegten Zeitraum: eine Gruppe im zeitigen Frühjahr, eine andere im Hochsommer, eine dritte im Herbst. Ein Schmetterling Ende März ist fast sicher ein überwinterter Falter; einer Anfang August wahrscheinlich eine zweite Sommergeneration.
Nutzen Sie diesen Leitfaden zusammen mit der Bestimmung nach Farbe und nach Fundort.
Hinweis: Die Flugzeiten verschieben sich je nach Jahr und Region um 1–2 Wochen. Die Angaben beziehen sich auf Zentralrussland (Moskau ±400 km). Im Süden (Krasnodar) ist alles 2–4 Wochen früher; im Norden (Sankt Petersburg, Ural) 1–2 Wochen später.
März — erste Frühlingsarten
Die ersten Schmetterlinge erscheinen oberhalb von 8–10 °C — meist Ende März, manchmal früher. Das sind Arten, die als Falter überwintern: Sie überstanden den Winter als erwachsene Tiere, versteckt in Rindenspalten, Schuppen und Dachböden.
Was man sehen kann:
- Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) — Männchen leuchtend gelb; Weibchen blassgrünlich. Erster massenhaft auftretender Frühlingsschmetterling. Überwinterte als Falter, versteckt zwischen Blättern.
- Kleiner Fuchs (Aglais urticae) — orange mit schwarzen Flecken. Erscheint aus dem Winterschlaf bei der ersten Wärme.
- Tagpfauenauge (Aglais io) — rotbraun mit „Augen". Erscheint zusammen mit dem Kleinen Fuchs.
- Trauermantel (Nymphalis antiopa) — dunkelbraun mit hellgelbem Saum. Überwinterte in Rindenspalten; erscheint früh, nährt sich an blühender Weide.
- C-Falter (Polygonia c-album) — ockerbraun mit zerfetzten Rändern; weniger auffällig, aber ebenfalls früh.
April — erste „neue" Schmetterlinge
Im April gesellen sich zu den überwinterten Arten die ersten Falter aus Puppen und Eiern der neuen Saison.
Neue Arten im April:
- Landkärtchen (Araschnia levana, Frühjahrsgeneration) — klein, rostbraun mit dunklem Muster; sieht der Sommergeneration überhaupt nicht ähnlich
- Aurorafalter (Anthocharis cardamines) — weiß mit orangem Fleck beim Männchen; Weibchen ohne Orange; fliegt an Rändern mit Wiesenschaumkraut
- Baumweißling (Aporia crataegi) — weiß mit dunklen Adern; erste Exemplare Ende April
- Kleiner Frostspanner (nachtaktiv) — Männchen sind noch vom Herbst her zu finden
Der April ist die beste Zeit, um die ersten aktiven Flüge der Zitronenfalter an blühender Weide und Löwenzahn zu beobachten.
Mai — Höhepunkt der Frühlingsvielfalt
Der artenreichste „Frühlings"-Monat. Die Wirtspflanzen treiben aus; überwinterte Arten fliegen aktiv, und die ersten Sommerarten erscheinen.
Was im Mai fliegt:
- Alle überwinterten Arten (Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Trauermantel) — in der ersten Monatshälfte
- Baumweißling — weiße Wolken an Gartenrändern
- Aurorafalter — Flughöhepunkt in der ersten Maihälfte
- Landkärtchen, Frühjahrsgeneration — rostbraune Frühjahrsform
- Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) — erste Generation
- Bläulinge — erste Generation vieler Arten, besonders des Hauhechel-Bläulings (Polyommatus icarus)
- Brombeer-Zipfelfalter (Callophrys rubi) — leuchtend grün auf der Unterseite; an Sträuchern
- Scheckenfalter — schachbrettartig, Mai
- Schwarzer Apollo (Parnassius mnemosyne) — Ende Mai im Kaukasus und Altai
Juni — Höhepunkt der Artenvielfalt
Der artenreichste Monat des Jahres. Alle Frühlingsarten fliegen; zweite Generationen vieler Arten beginnen; Sommerarten setzen ein.
Charakteristische Arten im Juni:
- Schwalbenschwanz (Papilio machaon) — erste Generation; an Doldenblütlern (Karotte, Dill)
- Segelfalter (Iphiclides podalirius) — gelbweiß mit dunklen Streifen und langen Schwänzen
- Apollofalter (Parnassius apollo) — weiß mit roten Augenflecken; Berge und Kalksteinhänge
- Perlmuttfalter — große rostbraune Edelfalter mit silbriger Unterseite
- Admiral (Vanessa atalanta) — erste Wanderfalter
- Augenfalter — Großes Ochsenauge, Mohrenfalter
- Gelblinge (Colias) — gelb und orange
- Landkärtchen, Sommergeneration — dunkel mit weißen Flecken (zweite Generation, ganz anders als die Frühjahrsform)
Juli — Höhepunkt der Häufigkeit
Der Juli hat die höchste Individuenzahl bei etwas geringerer Artenzahl als der Juni. Zweiter Flughöhepunkt für viele Arten.
Charakteristische Arten im Juli:
- Distelfalter (Vanessa cardui) — Wanderfalter; Massenflüge in „guten" Jahren
- Zweite Generation von Bläulingen, Weißlingen, Scheckenfaltern
- Waldportier (Minois dryas) — großer dunkler Augenfalter mit blauen Augenflecken
- Großer Schillerfalter (Apatura iris) — Männchen mit blauem Schimmer; Auwald
- Eisvögel — Großer und Kleiner Eisvogel
- Mohrenfalter (Erebia) — Höhepunkt in den Bergen
- Zweite Generation von Kleinem Fuchs, Tagpfauenauge
August — Spätsommer, Beginn der Überwinterungsvorbereitung
Die Artenvielfalt sinkt. Manche Arten befinden sich bereits in Diapause (Puppe, Ei, Raupe); Falter, die überwintern, bereiten sich auf die Ruhephase vor.
Was im August aktiv ist:
- Distelfalter — wandert gegen Monatsende nach Süden
- Admiral — nährt sich an überreifem Obst (Pflaumen, Birnen)
- Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge — zweite Generation; gehen Ende August in den Winterschlaf
- Zweite Generation von Schwalbenschwanz, Gelblingen
- Augenfalter — Kleines Wiesenvögelchen, Großes Ochsenauge fliegen noch
- In den Bergen — letzte Mohrenfalter und Apollofalter
Der August eignet sich gut zur Beobachtung von Distel, Klette und Schmetterlingsflieder: Dort versammeln sich Distelfalter, Admiral und Scheckenfalter.
September — Spätarten
Nur die widerstandsfähigsten und spätesten Arten sind aktiv. Die Nächte sind kalt, die Tage noch warm — Schmetterlinge wärmen sich auf erhitzten Steinen und Baumstämmen.
Was man finden kann:
- Zitronenfalter — aktiv, solange die Temperatur über 10 °C bleibt; überwintert unter Laub
- Kleiner Fuchs, C-Falter — bis zum Frost
- Admiral — letzte Exemplare an warmen Tagen; manche wandern ab
- Gelblinge — späte Generation fliegt noch in der ersten Septemberhälfte
Oktober–November — winterliche Spanner
Tagfalter sind verschwunden, aber im Oktober–November fliegen spezifische überwinternde Spannerarten:
- Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata) — Männchen fliegen bei Frost; Weibchen flügellos, krabbeln auf Baumstämmen. Suchen Sie im November mit einer Taschenlampe an Eichen- und Apfelstämmen.
- Herbst-Frostspanner (Epirrita autumnata) — etwas früher, Oktober.
Übersichtstabelle nach Monat
| Monat | Was fliegt |
|---|---|
| März | Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Trauermantel |
| April | + Aurorafalter, Landkärtchen (Frühjahrsform), erste Bläulinge |
| Mai | + Baumweißling, Brombeer-Zipfelfalter, Kleines Wiesenvögelchen, Scheckenfalter |
| Juni | + Schwalbenschwanz, Segelfalter, Apollofalter, Perlmuttfalter, Augenfalter |
| Juli | + Distelfalter, Admiral, Großer Schillerfalter, Eisvögel, Waldportier |
| August | Späte Generationen; Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge gehen in den Winterschlaf |
| September | Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, Admiral — in abnehmender Zahl |
| Oktober–November | Winterliche Spanner (nachtaktiv) |
Zweibrütige Arten: Vorsicht bei der Bestimmung
Manche Arten haben zwei Generationen im Jahr, die sehr unterschiedlich aussehen:
Landkärtchen (Araschnia levana): Frühjahrsgeneration rostbraun mit dunklem Muster, ähnlich einem kleinen Perlmuttfalter; Sommergeneration dunkelbraun mit weißem Band, ähnlich einem kleinen Eisvogel. Sie werden oft für zwei Arten gehalten.
Viele Bläulinge: Die Frühjahrsbrut ist kleiner und matter als die Sommerbrut.
Passt ein Schmetterling nicht zum gewohnten Aussehen — prüfen Sie, ob es sich um eine andere saisonale Generation handelt.
Mehr zur Saisonalität — in Lebenszyklus der Schmetterlinge und wie Schmetterlinge überwintern.
Flugkalender der Schmetterlinge
Die Daten sind ein Orientierungsrahmen für die gemäßigte Zone Europas; die tatsächlichen Termine variieren je nach Region und Jahr.