Rolle der Schmetterlinge in der Natur
Schmetterlinge bestäuben Pflanzen, verbinden Nahrungsketten und zeigen die Gesundheit von Ökosystemen an. Ohne sie gerät das Gleichgewicht vieler Naturgemeinschaften ins Wanken.

Schmetterlinge sind mehr als Schönheit
Schmetterlinge wirken zerbrechlich und kurzlebig, doch in natürlichen Ökosystemen erfüllen sie mehrere wichtige Funktionen. Ihr Verschwinden aus einem Lebensraum ist ein Warnsignal, dass in der Umwelt etwas nicht stimmt.
Rolle 1: Bestäubung von Pflanzen
Erwachsene Schmetterlinge ernähren sich von Nektar und besuchen dabei Blüte um Blüte. Dabei transportieren sie Pollen von den Staubbeuteln einer Blüte zur Narbe einer anderen — Bestäubung findet statt.
Schmetterlinge sind nicht die Hauptbestäuber (Bienen und andere Hautflügler führen hier), doch für viele Pflanzen sind sie wichtig. Manche Blüten sind speziell an die Bestäubung durch Schmetterlinge angepasst:
- Röhrenförmige Blüten, für die kurzen Saugrüssel der Bienen unerreichbar, aber für den langen Schmetterlingsrüssel zugänglich.
- Nachtblüten (weiß, stark duftend) — auf Schwärmer ausgerichtet.
- Leuchtend rote Blüten, für Bienen schlecht sichtbar (ihr Farbsehen nimmt Rot schwach wahr), aber für Schmetterlinge auffällig.
Schwärmer (Sphingidae) spielen eine besondere Rolle: große nachtaktive Arten mit langen Saugrüsseln, die wie Kolibris vor Blüten schweben. Sie bestäuben Orchideen und andere spezialisierte Pflanzen.
Rolle 2: Ein Glied in Nahrungsketten
Schmetterlinge sind in allen Lebensstadien Nahrung für viele Tiere.
Raupen werden gefressen von:
- Vögeln (besonders bei der Jungenaufzucht — viele Singvögel ziehen ihre Jungen fast ausschließlich mit Raupen groß).
- Räuberischen Insekten: Wespen, Käfern, Libellen.
- Spinnen und Eidechsen.
- Parasitoiden: Schlupfwespen und Raupenfliegen legen Eier in oder auf Raupen; die Parasitenlarven entwickeln sich im Wirt und töten ihn schließlich.
Puppen werden geöffnet von:
- Kleinsäugern: Spitzmäusen, Mäusen.
- Vögeln, die Puppen in der Laubstreu finden.
Erwachsene Schmetterlinge werden gefangen von:
- Vögeln (Schwalben, Mauersegler, Fliegenschnäpper jagen in der Luft).
- Radnetz- und Krabbenspinnen auf Blüten.
- Libellen und Raubfliegen.
- Fledermäusen — bei nachtaktiven Arten.
So bilden Schmetterlinge eine Brücke zwischen Pflanzen und Fleischfressern: Blätter und Nektar gelangen über Raupen und erwachsene Tiere zur Nahrung für Vögel und andere Tiere.
Rolle 3: Bioindikatoren für Umweltgesundheit
Wissenschaftler nutzen Schmetterlinge seit Langem als Indikatoren für die ökologische Gesundheit eines Gebiets. Gründe dafür:
- Viele Arten sind hochspezialisiert: Eine bestimmte Art lebt nur dort, wo ihre Wirtspflanze und geeignete Bedingungen vorhanden sind.
- Schmetterlinge reagieren schnell auf Veränderungen: Innerhalb von 2–3 Jahren nach einer Lebensraumverschlechterung verschiebt sich die Artenzusammensetzung.
- Sie lassen sich im Feld leicht beobachten und zählen.
Gibt es weniger Schmetterlinge auf einer Wiese, kann das auf Pestizideinsatz, Zertrampeln, Verbuschung oder Austrocknung hindeuten. Die Überwachung der Schmetterlingszahlen ist eine Standardmethode zur Bewertung der biologischen Vielfalt in Europa.
Mehrere Arten wurden als „Leitarten"-Indikatoren ausgewählt: Ihr Populationsstatus spiegelt ganze Ökosysteme wider. Der Schwarzfleckige Ameisenbläuling (Phengaris arion) zum Beispiel benötigt sowohl Thymian als auch eine bestimmte Ameisenart — fehlt eine der beiden Bedingungen, verschwindet er.
Rolle 4: Raupenfraß — Regulierung der Vegetation
Raupen verzehren große Mengen an Pflanzenbiomasse. Bei mäßiger Dichte ist das von Vorteil: Sie entfernen etwas Laub, regen das Pflanzenwachstum an und lichten dichte Bestände aus.
Bei Massenvermehrungen (zum Beispiel Ringelspinner oder Schwammspinner) können Raupen ganze Obstgärten und Wälder entlauben. Solche Ausbrüche sind meist kurz und werden durch natürliche Fressfeinde und Parasiten kontrolliert.
Rolle 5: Ästhetischer und kultureller Wert
Schmetterlinge gehören zu den bekanntesten Naturbildern in Kulturen weltweit. Sie erscheinen in Malerei, Dichtung, Mythologie und als Symbole für Verwandlung, Schönheit und Vergänglichkeit.
Ökotourismus: Schmetterlingsbeobachtung ist in Europa und Nordamerika eine etablierte Freizeitbeschäftigung. Manche Schutzgebiete erzielen bedeutende Touristeneinnahmen durch Schmetterlingsliebhaber.
Wissenschaft: Schmetterlinge sind praktische Modelle zur Erforschung von Evolution, Genetik, Ökologie und Verhalten. Viele grundlegende Entdeckungen in der Biologie wurden an Lepidopteren gemacht.
Warum Schmetterlinge zurückgehen
In den letzten 50 Jahren ist die Zahl vieler Schmetterlingsarten in Europa und Russland um 30–80 % gesunken. Ursachen sind:
- Intensive Landwirtschaft: Monokulturen, Herbizide und Insektizide zerstören Raupen-Wirtspflanzen und Nektarquellen erwachsener Tiere.
- Urbanisierung: Bebauung von Wiesen und Waldrändern.
- Verbuschung von Wiesen: Das Ende traditioneller Mahd lässt hohe Gräser die vielfältige Krautschicht verdrängen, die Schmetterlinge benötigen.
- Klimawandel: Verschiebungen der Blütezeit stimmen nicht mehr mit dem Schlüpfen der Raupen überein.
Was Sie tun können: Lassen Sie Flecken ungemähter, vielfältiger Wiese stehen, pflanzen Sie Wirts- und Nektarpflanzen (Brennnessel, Klee, Schafgarbe) und vermeiden Sie Insektizide im Garten.
Zu bedrohten Arten siehe seltene Schmetterlinge.