Zum Inhalt springen

Nachtfalter und Motten

~1 Min.

Nachtfalter und Motten sind eine vielfältige Gruppe der Lepidoptera, die in der Dämmerung und Nacht aktiv ist. Es gibt weit mehr Arten als unter den Tagfaltern.

Nachtfalter und Motten

Wer sind Nachtfalter?

„Nachtfalter" und „Motten" sind umgangssprachliche Bezeichnungen für die meisten Lepidopteren mit dämmerungs- oder nachtaktiver Lebensweise. In der wissenschaftlichen Klassifikation bilden sie keine einzelne Gruppe: Sie umfassen Dutzende Familien mit unterschiedlicher Evolutionsgeschichte, verbunden hauptsächlich durch die nächtliche Aktivität.

Nach Artenzahl übertreffen Nachtfalter die Tagfalter bei Weitem: Von den etwa 157.000 Lepidopterenarten weltweit sind rund 140.000 nachtaktiv. In Russland machen nachtaktive Arten 85–90 % der Lepidopterenvielfalt aus.

Wie sich Nachtfalter von Tagfaltern unterscheiden

Die Grenze zwischen „Tag" und „Nacht" ist unscharf — manche Arten sind in der Dämmerung oder an bewölkten Tagen aktiv. Dennoch gibt es zuverlässige Merkmale:

MerkmalTagfalterNachtfalter / Motten
FühlerKeulenförmig (mit Verdickung)Gefiedert, kammartig oder fadenförmig
RuhehaltungFlügel senkrecht zusammengefaltetFlügel waagerecht ausgebreitet
KörperSchlank, nicht dicht behaartOft kräftig und behaart
Flügel in RuheÜber dem Körper erhobenDachartig oder flach
AktivitätSonnenstundenDämmerung und Nacht
FärbungMeist leuchtendOft kryptisch

Das wichtigste Merkmal ist die Fühlerform. Keulenförmige Fühler (an der Spitze verdickt) weisen auf Tagfalter hin. Gefiederte, fadenförmige oder kammartige Fühler kommen bei den meisten nachtaktiven Arten vor. Die Regel ist nicht absolut, trifft aber in etwa 95 % der Fälle zu.

Wichtigste Familien nachtaktiver Lepidopteren in Russland

Eulenfalter (Noctuidae)

Die artenreichste Familie — etwa 35.000 Arten weltweit, mehr als 1.000 in Russland. Die meisten sind graubraun mit kryptischem Muster: Querbänder und Flecken, die Rinde oder Boden imitieren.

Charakteristisch sind die Ordensbänder (Catocala) — graue Vorderflügel und leuchtend rote, gelbe oder orange Hinterflügel, die in Ruhe verborgen sind. Bei Bedrohung entblößen sie die Hinterflügel und erschrecken Fressfeinde mit plötzlicher Farbe.

Erdeulen — Raupen leben im Boden und nagen Stängel an der Basis ab: Gartenschädlinge.

Spanner (Geometridae)

Etwa 23.000 Arten weltweit, mehrere Hundert in Russland. Schlanker Körper, breite Flügel. Sie ruhen mit ausgebreiteten Flügeln und verschmelzen mit Rinde oder Blättern. Spannerraupen bewegen sich in einem schlaufenartigen „messenden" Gang.

Manche Arten sind im zeitigen Frühjahr bei nahezu Frosttemperaturen aktiv; Weibchen mancher Arten sind flügellos.

Schwärmer (Sphingidae)

Große oder sehr große Motten mit schmalen, kräftigen Flügeln und langem Körper — unter den schnellsten Lepidopteren, mit bis zu 50 km/h. Viele schweben wie Kolibris vor Blüten, während sie Nektar aufnehmen.

Unter den russischen Arten ist der Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) am bekanntesten — groß, mit schädelartigem Muster auf dem Brustkorb, fähig zu quietschen. Er kommt aus dem Süden und überwintert nicht in Russland. Der Labkraut-Schwärmer (Hyles gallii) ist in den mittleren Breiten häufig.

Bärenspinner (Arctiinae)

Leuchtend gefärbte nachtaktive Arten — ungewöhnlich für nachtfliegende Lepidopteren. Die Leuchtkraft ist aposematisch: Raupen fressen giftige Pflanzen und werden dadurch ungenießbar. Typisches Beispiel: Brauner Bär (Arctia caja) — Vorderflügel braun mit weißen Flecken, Hinterflügel orangerot mit dunklen Flecken.

Riesige Seidenspinner (Saturniidae)

Zu den größten Lepidopteren der gemäßigten Zone gehörend. Schöne Augenfleckmuster auf den Flügeln. Erwachsene Tiere haben keine Mundwerkzeuge — sie nehmen keine Nahrung auf und leben nur wenige Tage von den als Raupe angelegten Fettreserven.

Das Große Nachtpfauenauge (Saturnia pyri) — Flügelspannweite bis zu 15 cm, der größte Nachtfalter Europas (kein Tagfalter). Männchen nutzen gefiederte Fühler, um Weibchen aus mehreren Kilometern Entfernung wahrzunehmen.

Gespinstmotten, Kleidermotten und andere Kleinfamilien

Die meisten nachtaktiven Arten sind Kleinschmetterlinge aus Dutzenden Familien. Viele sind synanthrop (leben in Menschennähe): die Kleidermotte (Tineola bisselliella) — Raupen schädigen Wollwaren; Kornmotten — gelagertes Getreide.

Verhalten an Lichtquellen

Viele nachtaktive Arten fliegen zum Licht — ein bekanntes Phänomen. Eine Erklärung: Insekten navigierten historisch nach dem Mond und hielten ihn in einem konstanten Winkel. Künstliches Licht stört das — das Insekt umkreist spiralförmig die Lampe, um die Quelle im „richtigen" Winkel zu halten.

LED-Lampen ziehen weniger Insekten an als Quecksilberdampf- und Natriumdampflampen — weniger Ultraviolett.

Wo und wie man nachtaktive Arten beobachtet

Die einfachste Methode ist eine Lichtfalle: ein weißes Tuch, beleuchtet von einer Ultraviolettlampe an einem dunklen Ort. Über Nacht können sich Dutzende Arten darauf niederlassen.

Große Schwärmer und Bärenspinner findet man an blühenden Pflanzen in der Dämmerung — sie ernähren sich von Nektar. Winterspanner und Frühlingsarten sucht man im März–April an Baumstämmen.

Mehr zu den Unterschieden zwischen Tagfaltern und Nachtfaltern — in Tagfalter und Nachtfalter.