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Wie sich Schmetterlinge von Nachtfaltern unterscheiden

~1 Min.

Schmetterlinge und Nachtfalter sind beide Lepidopteren, unterscheiden sich aber in Fühlern, Ruhehaltung und Aktivitätszeit. Wir betrachten die Merkmale anhand von Beispielen.

Wie sich Schmetterlinge von Nachtfaltern unterscheiden

Woher der Begriff „Nachtfalter" kommt

Im Deutschen werden „Schmetterling" und „Falter" oft synonym verwendet, umgangssprachlich unterscheidet man zwischen „Tagfalter" und „Nachtfalter". In der wissenschaftlichen Klassifikation gibt es diese Trennung nicht: Alle Tag- und Nachtfalter bilden eine einzige Ordnung, Lepidoptera (Schuppenflügler). Der Begriff „Nachtfalter" bezeichnet kein eigenes Taxon; er sagt lediglich, dass es sich vermutlich um eine kleine, nachtaktive Art handelt.

Ähnlich ist es in anderen Sprachen: Englisch butterfly (tagaktiv) und moth (nachtaktiv) — eine umgangssprachliche, keine biologische Unterscheidung. Im Russischen — babotschka und motylёk, mit ähnlich unscharfer Grenze.

Warum ist das wichtig? Weil kein einzelnes Merkmal ohne Ausnahmen funktioniert. Aber mehrere Merkmale zusammen liefern in den allermeisten Fällen eine sichere Antwort.

Hauptmerkmal: Fühlerform

Die Fühler sind der zuverlässigste Weg, einen Tagfalter von einem nachtaktiven Falter zu unterscheiden.

Tagfalter (Überfamilie Papilionoidea) haben keulenförmige Fühler: einen dünnen „Stiel" mit einer deutlichen Verdickung — einer „Keule" — an der Spitze. Die Keule kann oval, birnenförmig oder spindelförmig sein, doch die Verdickung ist immer vorhanden.

Nachtfalter haben Fühler von grundlegend anderer Struktur:

  • Gefiedert (doppelt gekämmt) — bei vielen männlichen Eulenfaltern, Schwärmern und Pfauenspinnern. Sie sehen aus wie ein winziger Tannenzweig oder eine Vogelfeder. Die riesige Oberfläche ermöglicht das Erkennen von Spurenkonzentrationen weiblicher Pheromone.
  • Fadenförmig — dünn, ohne Verdickung, bei Spannern und Trägspinnern.
  • Kammförmig — mit Zähnen nur auf einer Seite, eine Zwischenform.

Es gibt Ausnahmen: Dickkopffalter (Hesperiidae) — tagaktiv, aber mit hakenförmiger Fühlerspitze statt Keule. Widderchen (Zygaenidae) — nachtaktiv oder dämmerungsaktiv der Herkunft nach, fliegen aber tagsüber. Dennoch liefert die Regel „Keule = tagaktiv" in etwa 95 % der Fälle die richtige Antwort.

Ruhehaltung

Betrachten Sie einen sitzenden Falter.

Tagaktive Arten falten die Flügel senkrecht über dem Körper — beide Paare aneinandergepresst und nach oben zeigend. Die Unterseite ist nach außen gerichtet: Bei vielen Arten dient sie der Tarnung (der Zitronenfalter ahmt ein Blatt nach, der C-Falter Baumrinde).

Nachtaktive Arten falten die Flügel horizontal oder zeltförmig — je nach Familie unterschiedlich:

  • Eulenfalter legen die Flügel flach an den Körper, wie ein zusammengeklapptes Flugzeug.
  • Spanner breiten die Flügel weit zur Seite aus, wie ein flachgedrücktes Blatt.
  • Schwärmer falten in Ruhe die schmalen Flügel zurück entlang des Körpers.

Auch gemischtes Verhalten kommt vor: Manche nachtaktiven Arten falten die Flügel senkrecht. Doch zusammen mit der Fühlerform erlaubt die Haltung eine sichere Gruppenbestimmung.

Körperbau

Tagfalter sind in der Regel schlanker: dünner Hinterleib, leichter Körper. Sie sind auf Sonnenwärme angewiesen, um die Flugmuskulatur aufzuwärmen.

Nachtaktive Arten sind oft gedrungener und „behaarter": Dichte Behaarung an Brust und Hinterleib dient der Isolierung — in der nächtlichen Kühle müssen sie die Wärme länger halten, um fliegen zu können. Die „Behaarung" ist besonders bei großen Eulenfaltern, Bärenspinnern und Pfauenspinnern auffällig.

Bei Schwärmern ist es umgekehrt: Der Körper ist stromlinienförmig und fast unbehaart — sie brauchen Geschwindigkeit, keine Isolierung.

Aktivitätszeit

Das ist das bekannteste, aber für sich allein am wenigsten zuverlässige Merkmal.

Tagfalter fliegen in den Sonnenstunden, bei Temperaturen über 12–15 °C. Bei bewölktem Wetter sitzen sie regungslos und sonnen sich auf einem Stein oder Blatt.

Nachtaktive Arten sind in der Dämmerung und Nacht aktiv und orientieren sich an Duft und schwachem Streulicht.

Es gibt jedoch viele Ausnahmen:

  • Bärenspinner (Arctiinae) — nachtaktiv der Herkunft nach, aber leuchtend gefärbt, fliegen oft tagsüber.
  • Widderchen (Zygaenidae) — nachtaktiv im Körperbau, fliegen aber in hellem Sonnenschein.
  • Der Frostspanner (Operophtera brumata) ist im Spätherbst und Winter aktiv, auch tagsüber.
  • Der Totenkopfschwärmer frisst nachts, ist aber auch in der Dämmerung anzutreffen.

Zusammenfassende Merkmalstabelle

MerkmalTagfalterNachtfalter
FühlerKeulenförmig (mit Verdickung)Gefiedert, fadenförmig oder kammförmig
RuhehaltungFlügel senkrechtFlügel horizontal oder zeltförmig
KörperSchlank, ohne dichte BehaarungOft kräftig, behaart
AktivitätszeitSonnige StundenDämmerung und Nacht (überwiegend)
FärbungOft leuchtendMeist tarnfarben
Arten weltweit~18.000–20.000~137.000–140.000
Arten in Russland~300–350~1.800–1.900

Warum es so viel mehr nachtaktive Arten gibt

Von den ~157.000 Lepidopterenarten sind etwa 140.000 nachtaktiv. Auf jede tagaktive Art kommen etwa sieben nachtaktive.

Gründe für den evolutionären Erfolg der nachtaktiven Strategie:

Weniger Konkurrenz. Der Tagesraum wird von Bienen, Fliegen, Käfern und anderen Bestäubern geteilt. Nachts gibt es weniger Konkurrenten.

Weniger Fressfeinde. Die meisten Vögel jagen tagsüber. Nachts treffen Schmetterlinge nur auf Fledermäuse, Spinnen und einige räuberische Insekten. Viele Nachtfalter besitzen Tympanalorgane — Hörorgane, die speziell auf den Ultraschall von Fledermäusen abgestimmt sind: Beim Hören des Signals ändert der Falter abrupt den Kurs.

Nektarreichtum. Viele Pflanzen öffnen ihre Blüten und verstärken ihren Duft zur Nacht hin — speziell für nachtaktive Bestäuber. Schwärmer mit langen Saugrüsseln besetzen diese Nische.

Praktische Fragen

„Ein Nachtfalter in meiner Wohnung — ist das ein Schädling?"

Nicht unbedingt. Die meisten Nachtfalter, die durch Fenster hereinfliegen, sind zufällige Besucher. Echte Schädlinge an Textilien und Vorräten — die Kleidermotte (Tineola bisselliella) und die Mehlmotte (Ephestia kuehniella) — sind klein (Flügelspannweite 10–15 mm), unauffällig gefärbt und laufen eher auf Oberflächen, als zum Licht zu fliegen.

„Er fliegt zum Licht — also ist er nachtaktiv?"

In 95 % der Fälle ja. Der Mechanismus der Lichtanziehung stört die Mondorientierung: Das Insekt versucht, die Lichtquelle in konstantem Winkel zu halten, und umkreist sie spiralförmig. Tagfaltern fehlt dieses Merkmal — sie haben ein anderes Navigationssystem.

„Ein Schwärmer, der an einer Blüte schwebt — Falter oder Kolibri?"

Natürlich ein Schwärmer. Viele halten große Schwärmer (Macroglossum stellatarum, Deilephila elpenor) für Vögel — sie schweben im Flug und wechseln schnell von Blüte zu Blüte. Doch es handelt sich um nachtaktive Falter, die in der Dämmerung aktiv sind.

Dämmerungsaktive Arten: weder das eine noch das andere

Manche Arten sind genau in der Dämmerung aktiv — weder tags noch nachts. Das sind dämmerungsaktive Arten:

  • Viele Schwärmer erscheinen 20–30 Minuten vor Sonnenuntergang.
  • Der Braune Bär fliegt oft am späten Nachmittag.
  • Manche Spanner fliegen in tiefer Dämmerung.

Für Beobachtungen: Gehen Sie 15–30 Minuten nach Sonnenuntergang hinaus — dann sind dämmerungsaktive Arten am aktivsten.

Was als Nächstes lesen

Mehr über nachtaktive Familien — im Artikel Nachtfalter und Motten. Über Tagfalter — im Bereich Tagfalter. Zur Artbestimmung — Bestimmungsführer nach Flügelform und Bestimmungsführer nach Farbe.

Häufig gestellte Fragen