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Wo Schmetterlinge leben

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Schmetterlinge bewohnen alle Klimazonen außer der Antarktis. Wir erkunden Biotope: Tropen, Wiesen, Wälder, Berge, Steppen, Tundra und Städte.

Wo Schmetterlinge leben

Schmetterlinge überall — außer in der Antarktis

Schuppenflügler haben nahezu alle terrestrischen Ökosysteme der Erde besiedelt: von tropischen Regenwäldern bis zur arktischen Tundra, vom Meeresspiegel bis auf über 5.000 m Höhe im Himalaya. Der einzige Ort ohne Schmetterlinge ist die Antarktis: Dort gibt es keine Pflanzen und somit keine Nahrungsgrundlage für Raupen.

Doch die Artenvielfalt ist extrem ungleich verteilt. Ein Hektar Amazonaswald kann mehr Arten beherbergen als das gesamte Gebiet Großbritanniens.

Tropische Regenwälder: Zentrum der Vielfalt

Die größte Artenzahl konzentriert sich im tropischen Gürtel — besonders in Südamerika, Zentralafrika und Südostasien.

Warum die Tropen so artenreich sind:

  • Ganzjährige Wärme — keine Kältephase, die den Lebenszyklus unterbricht. Viele Arten bringen 6–12 Generationen pro Jahr hervor.
  • Pflanzenreichtum — ein Hektar tropischer Wald kann 200–300 Baumarten enthalten. Da viele Schmetterlinge enge Spezialisten sind (die Raupe frisst nur eine Pflanzengattung), gilt: mehr Pflanzen = mehr Schmetterlingsarten.
  • Fläche und Stabilität — tropische Wälder bestehen seit Millionen Jahren ohne Vereisungen, was die Anhäufung enormer Vielfalt ermöglicht.

Das Amazonasbecken beherbergt etwa 3.000 Arten Tagfalter — mehr als ganz Europa und Russland zusammen. Hier leben Morphofalter mit blendend blauen Strukturflügeln, riesige Vogelfalter und Glasflügelfalter mit durchsichtigen Flügeln.

Wiesen und Lichtungen der gemäßigten Zone

In Russland und Europa sind Wiesen das artenreichste Biotop für Tagfalter. Offene Flächen, vielfältige Kräuter für Raupen und Blüten für Nektar schaffen ideale Bedingungen.

Was den Wiesenreichtum bestimmt:

  • Vielfältige Flora — Wiesen mit 30–40 blühenden Pflanzenarten tragen ein Vielfaches mehr Schmetterlingsarten als Grasmonokulturen.
  • Maßvolle Nutzung — traditionell gemähte Wiesen (1–2 Mal jährlich) sind artenreicher als intensiv beweidete oder völlig verlassene.
  • Randlebensräume — Waldränder, Gebüschstreifen und Gräben erhöhen die Vielfalt: Hier kommen sowohl Wiesen- als auch Waldarten vor.

Auf einer guten Wiese der Mittelzone lassen sich im Sommer an einem einzigen Beobachtungstag 30–40 Tagfalterarten finden.

Wälder: Bedingungen für Spezialisten

Dunkler Wald hat wenige Nektarblüten, daher fehlen viele Arten. Aber lichte Laubwälder, Lichtungen und Flussauen sind Biotope mit reicher spezialisierter Fauna.

Laubwald (Eichenwälder, Erlenbrüche, Auwälder mit Weiden):

  • Großer und Kleiner Schillerfalter — Männchen „patrouillieren" über Baumwipfeln
  • Kleiner Eisvogel — entlang von Espen- und Pappelwaldrändern
  • Zipfelfalter — in der Nähe von Eichen und Birken
  • Waldperlmuttfalter — auf lichten Lichtungen

Nadelwald (Fichten- und Kiefernbestände):

  • Ärmer als Laubwald
  • Bläulinge an sonnenerwärmten Waldrändern
  • Manche Mohrenfalter in Bergfichtenwäldern

Berge: Höhenstufung

In den Bergen hat jede Höhenstufe ihre eigene Artenzusammensetzung. Allgemeiner Trend: je höher, desto weniger Arten, aber umso spezialisierter.

Untere Stufe (Vorgebirge, bis 800–1000 m): Mischung aus Tiefland- und Bergarten. Oft artenreicher als das Flachland selbst, dank abwechslungsreichem Relief.

Subalpine Stufe (1000–2000 m): Wiesen mit Apollofalter, Mohrenfaltern, Bergbläulingen und Gelblingen. Besonders reich im Kaukasus und Altai.

Alpine Stufe (über 2000 m): extrem spezialisierte Fauna. Mohrenfalter (Erebia) — die artenreichste Berggattung Eurasiens: etwa 30–40 Arten in Russland, viele Endemiten einzelner Gebirgszüge. Phoebus-Apollofalter, Hochgebirgs-Parnassiusarten.

Warum es in den Bergen viele Endemiten gibt: Die Isolation von Berg-„Inseln" schafft Bedingungen für Artbildung. Zwei durch ein Tal getrennte Gebirgszüge — über Jahrtausende isolierte Populationen entwickeln sich zu eigenständigen Arten.

Steppen und Halbwüsten

Russlands Steppenzone — von Orenburg bis Altai und von Rostow bis Stawropol — beherbergt eine spezifische Steppenfauna.

  • Gelblinge (Colias) — gelb und orange, schneller schwirrender Flug
  • Bläulinge (Polyommatus, Lysandra) — viele Steppenspezialisten
  • Östlicher Resedafalter (Zegris eupheme) — weiß mit orange; nur in Steppen
  • Segelfalter — in der Nähe von Steppensträuchern (Schlehe, Steppenkirsche)
  • Scheckenfalter und Perlmuttfalter — auf vielfältigem Steppengrasland

Die Steppenfauna hat besonders unter dem Umpflügen gelitten: Die meisten südrussischen Steppen wurden zu Feldern. Intakte Steppen mit reichen Schmetterlingsgemeinschaften überleben nur in Naturschutzgebieten und an Kreidehängen.

Tundra: wenige, aber zäh

Die arktische und subarktische Tundra beherbergt je nach Zone etwa 30–50 Arten. Doch alle sind außergewöhnlich kälteresistent.

  • Flugzeit sehr kurz — 3–5 Wochen im Jahr
  • Raupen können sich 2–3 Jahre entwickeln und mehrmals überwintern
  • Kleine Arten: Bläulinge, Mohrenfalter (in Bergtundra), Gelblinge
  • Hochmoor-Gelbling (Colias palaeno) — eine der nördlichsten Arten; erreicht die arktische Waldtundra

Manche Arten dringen bis 70–72° N vor. Tundraschmetterlinge sind wichtige Bestäuber: Wenige andere Insekten leben dort.

Inseln und Küstenzonen

Inseln sind Evolutionslabore. Isolierte Populationen werden mit der Zeit zu eigenen Arten. Madagaskar, Sri Lanka und die Kanarischen Inseln haben hohe Endemitenanteile.

Meeresküsten selbst sind nicht artenreich, aber Dünen und Küstenwiesen beherbergen spezifische Arten: Küstenbläulinge, einige Weißlinge.

Städte und Agrarökosysteme

Städtische Umgebungen sind komplexe Biotope. Synanthrope Arten haben sich gut angepasst:

  • Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge — überall, wo auf Brachflächen Brennnesseln wachsen
  • Großer und Kleiner Kohlweißling — auf Schrebergärten mit Kreuzblütlern
  • Admiral, Distelfalter — in Gärten mit Disteln und Schmetterlingsflieder
  • Zitronenfalter — in Parks mit Faulbaum

Städtische „grüne Inseln" — Parks, botanische Gärten — können selbst in Großstädten 20–30 Schmetterlingsarten beherbergen.

Was das Verbreitungsgebiet einer Art bestimmt

Bei den meisten Schmetterlingen wird die Verbreitung durch die Raupen-Wirtspflanze begrenzt. Keine Pflanze — kein Schmetterling. Weitere Faktoren:

  • Mindesttemperatur — viele tropische Arten vertragen keinen Frost
  • Feuchtigkeit — manche Arten sind streng an Moore gebunden, andere an trockene Hänge
  • Boden — der Apollofalter etwa ist an Kalksteinaufschlüsse gebunden, wo Mauerpfeffer wächst
  • Spezifische Bedingungen — der Kreuzenzian-Ameisenbläuling benötigt sowohl Thymian als auch Ameisen einer bestimmten Art: Ohne beide Komponenten kann er nicht überleben

Wo man in Russland Schmetterlinge beobachten kann

Maximale Vielfalt:

  • Region Primorje — Überschneidung sibirischer und ostasiatischer Fauna; einzigartige Fernost-Arten
  • Kaukasus — Bergwiesen, subtropische Schluchten, mehr als 200 Tagfalterarten
  • Altai — Berg- und Steppenarten, viele Endemiten

Zugängliche Orte:

  • Jede vielfältige Wiese der Mittelzone im Juni–Juli
  • Laubwaldränder mit reichem Unterwuchs
  • Flussufer mit Weiden und Doldenblütlern

Mehr zu Arten nach Region — im Atlas. Zu Biotopen für die Bestimmung — im Bestimmungsführer nach Fundort.

Häufig gestellte Fragen