Russland
Leitfaden zu den Schmetterlingen Russlands: von der Tundra bis zu den Subtropen des Kaukasus — mehr als 300 Tagfalterarten im größten Land der Welt.

Schmetterlinge Russlands: Überblick
Russland ist das größte Land der Welt, und seine Schmetterlingsfauna entspricht diesem Ausmaß. Hier kommen mehr als 300 Tagfalterarten vor, und zusammen mit den Nachtfaltern übersteigt die Gesamtzahl der Schmetterlingsarten 2.000. Diese Vielfalt erklärt sich durch die enorme Bandbreite an Landschaften: von der arktischen Tundra bis zu den Subtropen der Schwarzmeerküste, von europäischen Wäldern bis zur mandschurischen Taiga von Primorje.
Klimazonen und ihre Schmetterlinge
Tundra und Waldtundra
In arktischen und subarktischen Gebieten ist die Artenvielfalt minimal. Hier kommen vor allem widerstandsfähige Arten vor: bestimmte Bläulinge, Gelblinge (Gattung Colias) und arktische Perlmutterfalter. Die Flugsaison ist sehr kurz — Juli–August.
Taiga
Die Nadelwälder Sibiriens und des russischen Nordens beherbergen mäßige Vielfalt. Charakteristische Arten sind der Trauermantel (Nymphalis antiopa), der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), mehrere Perlmutter- und Scheckenfalter. Je weiter südlich, desto reicher die Fauna.
Misch- und Waldsteppenwälder
Die Zone der größten Artenvielfalt im europäischen Russland. Hier leben die bekanntesten Arten: Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral, zahlreiche Perlmutter- und Bläulinge. In der Waldsteppe erscheinen Steppenarten — Feuerfalter, dunkelflügelige Weißlinge und mehrere Scheckenfalter.
Steppen
Die offenen Steppen Südrusslands sind reich an einzigartigen Arten. Hier kommen Steppen-Bläulinge, der Aurorafalter (Anthocharis cardamines), der Waldteufel (Minois dryas) und eine Reihe seltener Perlmutterfalter vor.
Kaukasus
Das Gebirgssystem des Kaukasus ist Russlands artenreichste Region für Schmetterlinge. Die Vielfalt der Höhenstufen erlaubt das Nebeneinander subtropischer, montaner und Steppenarten. Hier leben kaukasische endemische Unterarten und seltene Arten, darunter im Roten Buch gelistete.
Ural und Gebirge Südsibiriens
Gebirgsgebiete — Ural, Altai, Sajan — zeichnen sich durch Hochgebirgsarten aus: Apollofalter (Parnassius apollo), mehrere Apollofalterarten und Hochgebirgs-Bläulinge.
Primorje und russischer Ferner Osten
Der russische Ferne Osten ist eine eigenständige biogeografische Region mit mandschurischen und ostasiatischen Elementen in ihrer Fauna. Hier kommen Arten vor, die sonst nirgendwo in Russland vorkommen: Maacks Schwalbenschwanz (Papilio maackii), der Große Eisvogel und der Reliktbock. Die Zeder-Laubmischwälder Primorjes sind für Schmetterlinge besonders wichtig.
Häufigste Arten
Mehrere Arten kommen in der gesamten gemäßigten Zone Russlands vor und sind jedem vertraut:
- Kleiner Fuchs (Aglais urticae) — orange mit schwarzen Flecken und blauen Randflecken. Einer der ersten Schmetterlinge im Frühling: überwintert als Falter.
- Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) — leuchtend gelbes Männchen und weißlich-grünes Weibchen. Hält den Langlebigkeitsrekord unter europäischen Schmetterlingen — bis zu 12 Monate.
- Großer Kohlweißling (Pieris brassicae) — weiß mit schwarzen Eckflecken. Überall zu finden, wo Kreuzblütler wachsen.
- Tagpfauenauge (Aglais io) — dunkel kastanienbraun mit vier leuchtenden „Augen" auf den Flügeln. Überwintert als Falter, fliegt ab dem frühen Frühling.
- Admiral (Vanessa atalanta) — dunkelbraun mit scharlachrotem Band. Teilweiser Wanderfalter, kommt aus dem Süden.
- Schwalbenschwanz (Papilio machaon) — gelb mit schwarzer Zeichnung und charakteristischen „Schwänzen" an den Hinterflügeln. Russlands bekanntester Großschmetterling.
Seltene und geschützte Arten
Mehrere Arten sind im Roten Buch der Russischen Föderation gelistet:
- Apollofalter (Parnassius apollo) — weiß mit roten Flecken, lebt im Gebirge, Population im Rückgang.
- Schwarzer Apollo (Parnassius mnemosyne) — halbtransparent weiß, ohne Schwänze, in Waldgebieten mit Lerchensporn zu finden.
- Schwarzblauer Bläuling (Phengaris arion) — blau mit schwarzen Flecken, eine seltene Art der Steppen und Kalkhänge.
Wann und wo beobachten
Beste Periode: Mitte Mai — Ende August. Höhepunkt der Vielfalt — Juni–Juli.
Gute Orte:
- Wiesen und Ränder von Mischwäldern
- Flussufer mit vielfältiger Krautvegetation
- Bergwiesen des Kaukasus und Altai (Juli)
- Waldlichtungen mit Nektarpflanzen
Praktischer Tipp: Schmetterlinge sind an warmen, sonnigen Tagen zwischen 10 und 16 Uhr am aktivsten. Bei bewölktem Wetter verstecken sich die meisten Arten im Laub.
Wie man den Atlas benutzt
Wenn Sie einem unbekannten Schmetterling begegnen, nutzen Sie den Bestimmungsführer nach Flügelfarbe oder den Bestimmungsführer nach Größe. Um die Systematik zu verstehen, beginnen Sie mit dem Abschnitt Schmetterlingsfamilien: Edelfalter, Schwalbenschwänze, Weißlinge, Bläulinge.