Europa
Schmetterlinge Europas: etwa 500 Tagfalterarten, vom Mittelmeer bis zur Arktis. Alpen, Mittelmeerraum, Inseln — die artenreichsten Regionen des Kontinents.

Schmetterlinge Europas in Zahlen
Europa ist ein kleiner Kontinent mit gemäßigtem Klima, und seine Schmetterlingsfauna ist deutlich artenärmer als die der Tropen. Auf dem gesamten Kontinent kommen etwa 500 Arten von Tagfaltern (Papilionoidea) vor, wovon einzelne Länder 100–200 aufweisen. Zum Vergleich: Ein Hektar Amazonaswald enthält oft mehr Arten als ganz Westeuropa.
Dennoch ist Europa entomologisch gut erforscht — jede Art ist dokumentiert, die Verbreitungsgebiete sind bis auf Kreisebene bekannt, was die Region zu einem idealen Einstiegsgebiet für Beobachtungen macht.
Zonen der Artenvielfalt
Die Artenvielfalt nimmt von Norden nach Süden stark zu.
Nordeuropa (Skandinavien, Finnland, Baltikum): 60–100 Arten. Kurze Sommer verkürzen die Saison auf 3–4 Monate. Charakteristisch sind arktische und subarktische Arten: Samtfalter (Erebia), Moor-Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia), Gelblinge.
Mitteleuropa (Deutschland, Polen, Tschechien): 130–180 Arten. Mäßig kontinentales Klima. Die Fauna wird von Wiesen-Weißlingen, Edelfaltern und Bläulingen dominiert; in den Alpen und Sudeten — Apollofalter und Hochgebirgs-Samtfalter.
Mittelmeerraum (Südfrankreich, Spanien, Italien, Griechenland, Balkan): 300–400 Arten. Heiße Sommer und milde Winter ermöglichen 3–4 Generationen pro Jahr. Hier konzentrieren sich die meisten europäischen Endemiten — Arten, die außerhalb der Region nicht vorkommen.
Die artenreichsten Regionen Europas
Alpen und Pyrenäen
Gebirgssysteme sind biodiversitäre „Inseln". In den Alpen kommen etwa 200 Tagfalterarten vor, darunter:
- Apollofalter (Parnassius apollo) — auf Alpenwiesen mit Fetthenne
- Schwarzer Apollo (Parnassius mnemosyne) — in subalpinen Wäldern mit Lerchensporn
- Zahlreiche Samtfalter (Erebia) — jede Höhenstufe hat ihre eigene Artenkombination
- Alpen-Gelbling (Colias phicomone) — oberhalb von 1.500 m
- Gebirgs-Bläulinge: Polyommatus eros, Agriades glandon und andere
Mediterranes Griechenland und Türkei
Die Balkanhalbinsel und Anatolien sind eine Kreuzung europäischer, nahöstlicher und zentralasiatischer Faunen. Hier kommen bis zu 400 Arten vor, darunter viele Endemiten. Die Bergregionen des Peloponnes und Zentralgriechenlands gehören zu den besten Beobachtungsorten Europas.
Iberische Halbinsel
Spanien und Portugal weisen hohen Endemismus auf: Mehrere Bläulings-, Scheckenfalter- und Perlmutterfalterarten kommen nur hier vor. Besonders artenreich sind die Gebirgsregionen — Pyrenäen, Sierra Nevada, Kantabrisches Gebirge.
Karpaten und Balkan
Eine Pufferzone zwischen Mittel- und Osteuropa. Relativ dünn besiedelte Gebirgsgebiete haben ausgedehnte Wiesen und alte Wälder bewahrt. Hier kommen mehrere osteuropäische Arten vor, die weiter westlich selten oder gar nicht vorkommen.
Charakteristische europäische Arten
Baumweißling (Aporia crataegi) — weiß mit dunklen Adern; eine häufige Art in Gärten und an Waldrändern, bildet Massenvermehrungen.
Aurorafalter (Anthocharis cardamines) — der erste frühlingshafte Weißling; Männchen mit leuchtend orangem „Fleck" auf dem Vorderflügel.
Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) — der häufigste „Bläuling" Europas; Männchen blau, Weibchen braun.
Äthiopischer Mohrenfalter (Erebia aethiops) — eine der am weitesten verbreiteten Arten der Gattung in Gebirgen und Vorgebirgen.
Admiral (Vanessa atalanta) — eine Wanderart; wandert jedes Frühjahr von Nordafrika und Südeuropa nach Mittel- und Nordeuropa.
Distelfalter (Vanessa cardui) — die am weitesten verbreitete Art in Europa und der Welt; bildet in guten Jahren enorme Wanderströme.
Bedrohte europäische Arten
Europa verfügt über ein etabliertes Schmetterlings-Monitoringsystem. Laut dem European Butterfly Monitoring Scheme (eBMS) ist die Zahl der Schmetterlinge auf Wiesen in den letzten 30 Jahren um 39 % zurückgegangen. Besonders betroffen sind Wiesenspezialisten.
Schwarzblauer Bläuling (Phengaris arion) — benötigt das gleichzeitige Vorkommen von Thymian und Ameisen der Gattung Myrmica. In Großbritannien starb er 1979 aus und wurde 1983–84 erfolgreich aus Schweden wiederangesiedelt — eines der klarsten Beispiele erfolgreicher Artenrettung.
Schwarzer Apollo (Parnassius mnemosyne) — verschwand aus vielen Gebieten, weil Wald subalpine Wiesen zurückerobert.
Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) — starker Populationsrückgang durch Entwässerung von Feuchtgebieten und Einstellung der Mahd auf Feuchtwiesen.
Inseln
Europäische Inseln haben verarmte, aber oft endemische Faunen:
- Korsika und Sardinien: mehrere endemische Unterarten oder Arten, darunter Hipparchia neomiris
- Kanarische Inseln: mehrere endemische Arten; einzigartige Umgebung durch Höhenzonierung in warmem Klima
- Britische Inseln: etwa 60 bodenständige Arten — sehr wenige für Westeuropa; erklärt durch Isolation und instabiles Klima
Beste Beobachtungszeit
- Früher Frühling (März–April): überwinterte Arten — Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Trauermantel
- Später Frühling (Mai): Höhepunkt der Vielfalt in Mitteleuropa; im Mittelmeerraum ist es bereits warm
- Sommer (Juni–Juli): größter Artenreichtum in den Alpen und auf dem Balkan
- Spätsommer (August): Wanderfalter — Distelfalter und Admiral — auf dem Höhepunkt ihrer Häufigkeit
Zur Fauna Russlands als Teil der europäischen Zone — siehe den Abschnitt Russland.