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Afrika

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Schmetterlinge Afrikas: etwa 3.500 Tagfalterarten, von der Sahara bis zu den Kongo-Regenwäldern. Madagaskar, Ostafrikanischer Graben, Kap — die artenreichsten Regionen.

Afrika

Afrika — der zweitartenreichste Kontinent

Was die Zahl der Tagfalterarten betrifft, steht Afrika weltweit nur hinter Südamerika an zweiter Stelle: Man schätzt 3.000–3.500 Arten der Tagfalter (Papilionoidea), die sich hauptsächlich in den feuchten Tropenwäldern der Kontinentmitte und des Westens konzentrieren. Zum Vergleich: Ganz Europa hat etwa 500 Arten.

Die Fauna Afrikas gliedert sich in mehrere zoogeografische Zonen. Das tropische Afrika südlich der Sahara — die Afrotropis — ist ein eigenständiges Biom mit hohem Endemismus. Die Sahara ist eine Barriere, die die afrotropische Fauna von der paläarktischen (Mittelmeerraum, Nordafrika) trennt. Madagaskar bildet aufgrund jahrhundertelanger Isolation eine eigene Zone.

Zonen der Artenvielfalt

Kongobecken und guineische Wälder

Die äquatorialen Wälder Zentralafrikas sind der Kern der afrikanischen Biodiversität. Mehr als die Hälfte aller afrotropischen Arten konzentriert sich im Kongobecken. Konstante Feuchtigkeit, das Fehlen einer Trockenzeit und ein mehrschichtiges Waldkronendach schaffen Bedingungen für Spezialisierung: Jede Art ist an ihre eigene Schicht, Pflanze und ihr eigenes Mikrohabitat gebunden.

Charakteristische Arten:

  • Riesenschwalbenschwanz — genau genommen keine afrikanische, sondern eine papuanische Art, doch im Kongo kommen mehrere große Papilio mit Flügelspannweiten bis 15 cm vor: Papilio antimachus — Afrikas größter Tagfalter (bis 25 cm Flügelspannweite), Männchen mit schmalen, verlängerten schwarz-rotbraunen Flügeln, giftig
  • Charaxes — die „Radschnabel-Falter" Afrikas: große Edelfalter mit schnellem Flug, oft angelockt von Aas und überreifem Obst; mehr als 150 Arten dieser Gattung in Afrika
  • Acraea — zahlreiche afrotropische Gattung mit leuchtend rot-weißer oder oranger Färbung; oft giftig oder für Vögel ungenießbar
  • Belenois — afrikanische „Weißlinge", die in der Trockenzeit Massenwanderungen bilden

Ostafrikanischer Graben und Gebirge

Das Gebirgssystem von Äthiopien bis Simbabwe ist eine Zone hohen Endemismus. Die aufgefalteten Massive des Kilimandscharo, des Kenia-Berges und des Ruwenzori wirken als „Inseln", die Populationen isolieren. Hier kommen vor:

  • Hochgebirgs-Edelfalter der Gattungen Ypthima und Bicyclus — Steppen- und Gebirgsarten
  • Endemische Schwalbenschwänze: Papilio desmondi, Papilio jacksoni — nur in den Bergwäldern Ostafrikas
  • Papilio nireus — der „grüne Schwalbenschwanz": schwarz mit einem breiten grün-blauen Band; eine der schönsten Arten Afrikas

Madagaskar

Madagaskar ist einer der weltweiten Biodiversitäts-Hotspots. Auf der Insel kommen etwa 300 Arten von Tagfaltern vor, von denen mehr als die Hälfte Endemiten sind, die nirgendwo sonst vorkommen. Die mehr als 88 Millionen Jahre währende Isolation führte zu einer eigenständigen Entwicklung der Fauna.

Besonderheiten der madagassischen Fauna:

  • Chrysiridia rhipheus (Madagaskar-Sonnenfalter) — technisch ein Nachtfalter, fliegt aber tagsüber; schillert in allen Farben des Regenbogens; gilt als einer der schönsten Schmetterlinge der Welt
  • Endemische Papilio — 8 Arten, von denen 6 nur auf Madagaskar vorkommen
  • Die Familie der Danaiden (Danaidae) ist durch mehrere lokale Formen vertreten, darunter Amauris — ungenießbare Arten, die als „Modelle" für die batessche Mimikry bei anderen Schmetterlingen dienen

Kap und südliches Afrika

Die Kap-Florenregion (Fynbos) im südlichen Südafrika ist ein besonderes Biom mit einzigartiger Vegetation. Hier konzentrieren sich etwa 650 Tagfalterarten — eine hohe Dichte für ein gemäßigtes Klima.

  • Aloeides und Erikssonia — kleine Bläulinge, viele endemisch im Fynbos
  • Colias electo — afrikanischer Gelbling; weit verbreitet im südlichen Afrika
  • Junonia octavia — saisonaler Polymorphismus: Trockenform (orange) und Feuchtform (blau) unterscheiden sich so stark, dass sie lange als verschiedene Arten galten

Besonderheiten der afrikanischen Fauna

Massenwanderungen

Mehrere afrikanische Arten bilden Wanderungen, die mit dem amerikanischen Monarchfalter vergleichbar sind. Belenois aurota — der „Afrikanische Kaper-Weißling" — wandert jedes Jahr im Oktober–November von Norden nach Süden durch Ostafrika in milliardenstarken Strömen. In Simbabwe und Sambia bilden Schmetterlinge an Wandertagen eine geschlossene weiße Wolke am Horizont.

Catopsilia florella — der „Afrikanische Wanderfalter" — ein weiterer Massenwanderer; überquert die Sahara in beide Richtungen.

Danaiden-Mimikry

In Afrika bilden sich komplexe „Mimikry-Ringe": ungenießbare Acraea und Amauris (Danaiden) dienen als „Modelle", und mehrere Arten aus verschiedenen Familien — Papilio dardanus, verschiedene Edelfalter — entwickelten sich als ähnliche „Nachahmer". Papilio dardanus ist ein klassisches Studienobjekt der Mimikry: Weibchen haben bis zu 14 verschiedene Formen in unterschiedlichen Teilen des Verbreitungsgebiets, von denen jede eine lokale ungenießbare Art nachahmt.

Ressourcenschübe

In Savanne und Buschland löst die Regenzeit eine Explosion der Vegetation aus — und eine Welle von Schmetterlingen folgt. Innerhalb weniger Wochen nach Regenbeginn erscheinen Tausende von Byblia, Junonia, Precis und Weißlingen auf Lichtungen. Dies ist die „Schmetterlingssaison" für Beobachter.

Bedrohungen und Schutz

Die Abholzung der Kongo-Regenwälder ist die Hauptbedrohung. Anders als beim Amazonas erhält die Zerstörung der Kongo-Wälder weniger mediale Aufmerksamkeit, doch die Abholzungsraten sind hoch. Arten mit engen Verbreitungsgebieten — besonders Gebirgsendemiten — sind anfällig für den Klimawandel: Die „Inseln" der Hochlandwälder schrumpfen von unten her.

Papilio antimachus ist aufgrund der Nachfrage von Sammlern im CITES-Anhang II gelistet: ein Trophäenschmetterling für europäische und japanische Sammler.

Madagaskar hat etwa 90 % seines Primärwaldes verloren. Das ist katastrophal für die endemische Fauna — die meisten madagassischen Endemiten sind ausschließlich auf Primärwald angewiesen.

Worauf man in Afrika achten sollte

Beste Regionen:

  • Uganda, Ruanda — hochdiverse Berg- und Vorgebirgswälder; Kombination aus Wald-Papilio und Danaiden
  • Südafrika (KwaZulu-Natal) — etwa 800 Arten in einer einzigen Provinz; bester Ort südlich des Äquators
  • Madagaskar — für Endemiten; bewährte Praxis: die Nationalparks Ranomafana und Masoala
  • Äthiopisches Hochland — Gebirgsarten, die in anderen Regionen nicht verfügbar sind

Beste Saison: Ende der Regenzeit (im Süden Februar–März, nördlich des Äquators September–Oktober), wenn Pflanzen blühen und Schmetterlinge am aktivsten sind.

Zur Fauna der angrenzenden Regionen — siehe Asien und Europa.