Tagfalter
Tagfalter sind die auffälligsten Lepidopteren: Sie fliegen bei Sonnenlicht, haben keulenförmige Fühler und oft eine leuchtende Färbung.

Was sind Tagfalter?
Tagfalter sind eine informelle, aber weit verbreitete Bezeichnung für Lepidopteren mit tagaktiver Lebensweise. In der wissenschaftlichen Klassifikation bilden sie kein einzelnes Taxon, doch sie teilen mehrere Merkmale, die sie von Nachtfaltern unterscheiden.
In Russland gibt es etwa 300 Tagfalterarten — rund 15 % aller Lepidopteren des Landes. Trotz der geringeren Artenzahl sind Tagfalter am auffälligsten: Sie fliegen bei schönem Wetter, landen oft auf Blüten und lassen sich leicht beobachten.
Wie man einen Tagfalter von einem Nachtfalter unterscheidet
Es gibt keine strengen Regeln (manche „nachtaktive" Arten fliegen auch tagsüber), doch es existieren zuverlässige Zeichen:
| Merkmal | Tagfalter | Nachtfalter und Motten |
|---|---|---|
| Fühler | Keulenförmig — an der Spitze verdickt | Gefiedert oder fadenförmig, ohne Keule |
| Ruhehaltung | Flügel senkrecht über dem Körper zusammengefaltet | Flügel waagerecht ausgebreitet |
| Körper | Schlank, ohne dichte Behaarung | Oft kräftig und behaart |
| Aktivität | Hauptsächlich tagsüber, bei sonnigem Wetter | Dämmerung und Nacht (die meisten Arten) |
| Färbung | Meist leuchtend und auffällig | Oft kryptisch und gedämpft |
Das zuverlässigste Merkmal ist die Fühlerform. Endet der Fühler in einer Keule, haben Sie einen Tagfalter vor sich.
Wichtigste Familien
Tagfalter Russlands gehören zu fünf Hauptfamilien:
Edelfalter (Nymphalidae)
Die größte und vielfältigste Familie. Zu ihr gehören Kleiner Fuchs, Admiral, Tagpfauenauge, Trauermantel, Perlmuttfalter, Scheckenfalter und verwandte Arten. Ein charakteristisches Merkmal ist das verkümmerte erste Beinpaar: Edelfalter laufen auf vier Beinen. Mehr im Abschnitt Edelfalter.
Ritterfalter (Papilionidae)
Große und oft auffällige Schmetterlinge. Russische Arten sind Schwalbenschwanz, Segelfalter, Apollofalter und Schwarzer Apollo. Viele Ritterfalter haben „Schwänze" an den Hinterflügeln. Mehr im Abschnitt Ritterfalter.
Weißlinge (Pieridae)
Überwiegend weiße, gelbe oder orange Schmetterlinge. In Russland häufig: Großer Kohlweißling, Grünaderweißling, Zitronenfalter, Aurorafalter und Südlicher Weißling. Mehr im Abschnitt Weißlinge.
Bläulinge (Lycaenidae)
Kleine Schmetterlinge — Männchen vieler Arten sind leuchtend blau, Weibchen bräunlich. Eine der artenreichsten Familien nach Artenzahl. Mehr im Abschnitt Bläulinge.
Dickkopffalter (Hesperiidae)
Kleine, gedrungene Schmetterlinge mit weit auseinanderstehenden Fühlern. Oft kryptisch braunorange gefärbt. Etwa 40 Arten in Russland.
Am weitesten verbreitete Arten in Russland
Kleiner Fuchs (Aglais urticae) — vielleicht der bekannteste Schmetterling des Landes. Orange mit schwarzen Flecken und blauem Saum. Raupen leben auf Brennnesseln. Überwintert als erwachsener Falter; einer der ersten, die im Frühjahr erscheinen.
Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) — Männchen leuchtend zitronengelb, Weibchen weißlich-grün. Kann bis zu 12 Monate leben — Rekord unter europäischen Schmetterlingen. Überwintert als erwachsener Falter und erscheint im März.
Großer Kohlweißling (Pieris brassicae) — weiß mit schwarzen eckigen Flecken auf den Vorderflügeln. Überall zu finden, wo Kreuzblütler wachsen. Zwei bis drei Generationen pro Sommer.
Tagpfauenauge (Aglais io) — dunkelrot mit vier großen „Augen". Schreckt Fressfeinde ab, indem es bei Erschrecken die „Augen" aufblitzen lässt.
Admiral (Vanessa atalanta) — dunkelbraun mit scharlachrotem Band. Teilweise wandernd: kommt im Frühjahr aus dem Süden; verlässt das Gebiet im Herbst oder überwintert geschützt.
Distelfalter (Vanessa cardui) — der einzige Schmetterling, der auf jedem Kontinent außer der Antarktis vorkommt. Orangebraun mit weißen Flecken; wandert jedes Jahr über große Entfernungen.
Wann und wo man sie sieht
Die meisten Arten sind von Mai bis August aktiv. Manche überwinternde Arten (Kleiner Fuchs, Zitronenfalter, Tagpfauenauge) erscheinen bereits im März–April.
Die besten Beobachtungsorte sind Wiesen und blühende Waldränder. Schmetterlinge sind in den warmen Sonnenstunden am aktivsten: etwa von 10:00 bis 16:00 Uhr. Bei bewölktem Wetter und extremer Hitze verstecken sie sich im Schatten.
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