Lebenszyklus der Schmetterlinge
Der Lebenszyklus des Schmetterlings umfasst vier Stadien: Ei, Raupe, Puppe und erwachsener Falter. Die vollständige Metamorphose dauert von mehreren Wochen bis zu mehreren Jahren.

Vier Stadien — ein Leben
Der Lebenszyklus des Schmetterlings ist eines der anschaulichsten Beispiele vollständiger Metamorphose in der Natur. Das Insekt durchläuft vier grundverschiedene Stadien, jedes für seine Aufgabe optimiert. Die Larve wächst, die Puppe verwandelt sich, und der erwachsene Falter pflanzt sich fort und breitet sich aus.
Der vollständige Zyklus der meisten Arten der gemäßigten Zone passt in ein Jahr — eine Generation pro Saison. Manche Arten bringen 2–3 Generationen pro Sommer hervor, andere ziehen den Zyklus über zwei Jahre.
Stadium 1: Ei
Der Zyklus beginnt mit einem Ei. Das Weibchen legt es genau auf die Wirtspflanze der Raupe — oder in deren unmittelbare Nähe. Die Wahl des Ortes ist äußerst präzise: Ein Fehler bedeutet den Tod der Raupe.
Schmetterlingseier variieren in der Form: kugelig, tonnenförmig, gerippt, flach — jede Art legt Eier ihrer eigenen Form. Die Größe reicht von Bruchteilen eines Millimeters bis 2–3 mm. Die Farbe ist oft grün oder cremefarben, was die Tarnung auf dem Laub unterstützt.
Im Ei bildet sich ein Embryo. Bei warmem Wetter dauert der Vorgang 5–14 Tage. Eier von Arten, die in diesem Stadium überwintern, überstehen mehrere Monate bei Minusgraden.
Stadium 2: Raupe
Die frisch geschlüpfte Raupe frisst zunächst die Eischale — eine Quelle wertvoller Nährstoffe. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: das Fressen von Blättern, Stängeln und Blüten.
Die Raupe wächst in Schüben: Sie häutet sich 4–6 Mal und streift die zu eng gewordene Haut ab. Jedes Intervall zwischen den Häutungen heißt Larvenstadium (Instar). Eine Raupe im ersten Larvenstadium und eine im letzten können sich in ihrer Masse um das Hundertfache unterscheiden.
Die Dauer dieses Stadiums variiert stark:
- 2–4 Wochen — Sommergenerationen der meisten Arten
- 8–10 Monate — Arten, die als Raupe überwintern (manche Perlmuttfalter, Scheckenfalter)
- bis zu 2 Jahre — einzelne arktische und alpine Arten
Vor der Verpuppung stellt die Raupe das Fressen ein, entleert ihren Darm und wählt einen Verpuppungsort.
Stadium 3: Puppe
Die Puppe ist das rätselhafteste Stadium. Äußerlich erscheint sie regungslos, doch im Inneren findet ein radikaler Umbau statt: Das Raupengewebe löst sich buchstäblich auf und formiert sich zu einem völlig anderen Wesen neu.
Schmetterlingspuppen nennt man Chrysaliden (vom griechischen chrysos — Gold: manche Arten haben goldene Flecken auf der Puppe). Anders als viele Nachtfalter spinnen Schmetterlinge keinen Kokon — die Puppe hängt frei, befestigt an einer Pflanze oder am Boden.
Befestigungsarten:
- Seidengürtel + Kremaster (Haken am Hinterende) — die meisten Edelfalter und Weißlinge
- nur Kremaster, kopfüber hängend — viele Arten
Die Puppenfärbung ist oft kryptisch: grün (auf Blättern), braun (auf Rinde), grau (auf Steinen).
Dauer: 1–4 Wochen im Sommer, 3–8 Monate bei Arten, die in diesem Stadium überwintern (Schwalbenschwanz, Großer Kohlweißling).
Mehr dazu im Artikel Puppe.
Stadium 4: Imago
Aus der Puppe schlüpft ein erwachsener Schmetterling — das Imago. Die Flügel sind zunächst zerknittert; der Falter entfaltet sie, indem er Hämolymphe hineinpumpt, und wartet mehrere Stunden, bis sie erhärten.
Der erwachsene Falter wächst nicht mehr: Größe und Flügelmuster stehen ab dem Schlüpfen fest. Die Aufgabe des Imago ist, einen Partner zu finden und Nachkommen zu hinterlassen. Nach der Eiablage sterben die meisten Weibchen.
Dauer des Imago-Stadiums: von wenigen Tagen (bei Arten ohne Mundwerkzeuge) bis zu 12 Monaten (Zitronenfalter). Mehr dazu — wie lange Schmetterlinge leben.
Wie viele Generationen pro Jahr
Eine Generation (univoltine Arten) — die meisten großen Arten der gemäßigten Zone: Schwalbenschwanz (im Norden), Apollofalter, die meisten Perlmuttfalter. Der Zyklus dauert genau ein Jahr.
Zwei Generationen — Großer Kohlweißling, Zitronenfalter, manche Scheckenfalter. Die erste Generation fliegt im Frühjahr (April–Mai), die zweite im Sommer (Juli–August).
Drei oder mehr Generationen — Distelfalter, Großer Kohlweißling im Süden, manche Bläulinge. In warmen Regionen entstehen pro Saison drei bis vier Generationen.
Zwei Jahre — arktische Arten: manche Bärenspinner, einzelne Mohrenfalter und Dickkopffalter in rauem Klima.
Überwinterung: In welchem Stadium überwintert ein Schmetterling
Verschiedene Arten „pausieren" den Zyklus in unterschiedlichen Stadien:
| Überwinterungsstadium | Beispielarten |
|---|---|
| Imago | Kleiner Fuchs, Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Trauermantel |
| Puppe | Großer Kohlweißling, Schwalbenschwanz, Segelfalter |
| Raupe | Viele Perlmuttfalter, Scheckenfalter, manche Bläulinge |
| Ei | Schwammspinner, manche Bläulinge |
Mehr dazu im Artikel wie Schmetterlinge überwintern.
Lebenszyklus und Jahreskalender
Im gemäßigten Klima Russlands dauert die aktive Saison von März bis Oktober. Zuerst erscheinen die Arten, die als Falter überwintern — Kleiner Fuchs und Zitronenfalter (März–April). Der Höhepunkt der Vielfalt liegt im Juni–Juli. Die letzten Schmetterlinge verschwinden im September–Oktober.
Um die Metamorphose im Detail zu studieren — siehe den Glossarbereich der Seite.