Puppe
Die Puppe ist das dritte Stadium der vollständigen Metamorphose, in dem sich die Raupe in einen Schmetterling verwandelt — äußerlich regungslos, doch im Inneren im Umbau.

Definition
Die Puppe ist das dritte Stadium der vollständigen Metamorphose: Ei → Raupe → Puppe → Imago. Es ist die Übergangsphase, in der aus der Larve (Raupe) ein erwachsenes Insekt wird.
Der deutsche Begriff „Puppe" erinnert an die gleichnamige Spielzeugpuppe: Die unbewegliche, eingewickelte Form erinnerte an eine in Stoff gewickelte Stoffpuppe. In der wissenschaftlichen Literatur werden Schmetterlingspuppen auch Chrysaliden genannt (vom griechischen chrysos — Gold) — wegen der goldenen Flecken auf den Puppen mancher Arten.
Was im Inneren der Puppe geschieht
Äußerlich wirkt die Puppe reglos. Im Inneren läuft einer der komplexesten biologischen Prozesse ab — Histolyse und Histogenese.
Histolyse — Auflösung des Raupengewebes. Die meisten Larvenorgane werden von speziellen Enzymen buchstäblich in eine Nährstoff-„Brühe" zerlegt.
Histogenese — Aufbau der Imago-Gewebe aus sogenannten Imaginalscheiben: kleinen Zellgruppen, die von Anfang an ruhend im Raupenkörper vorhanden waren. Aus diesen Scheiben bilden sich Flügel, Beine, Augen, Fühler und andere Organe des erwachsenen Schmetterlings.
Das Ergebnis: Ein lebendes System wird in ein anderes umgebaut — ohne Gerüst, ohne Zwischenformen, von Grund auf.
Wie sich eine Raupe verpuppt
Vor der Verpuppung sucht die Raupe einen geeigneten Ort, stellt das Fressen ein und entleert den Darm. Dann befestigt sie sich an der gewählten Oberfläche.
Die meisten Tagfalter nutzen zwei Befestigungsmethoden:
Gegürtete Puppen (Gürtel + Kremaster). Die Raupe spinnt einen Seidengürtel um den Körper und befestigt das Hinterende mit einem Haken (Kremaster) an der Oberfläche. Die Puppe hängt senkrecht oder schräg. So befestigen sich Großer Kohlweißling, Ritterfalter und viele Edelfalter.
Hängende Puppen (nur Kremaster). Die Raupe befestigt sich am Hinterende kopfüber und hängt ohne Gürtel. Typisch für die meisten Edelfalter — Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral.
Nach der Befestigung vollzieht die Raupe ihre letzte Häutung: Die Larvenhaut reißt auf und gleitet ab, wodurch die weiche Puppe zum Vorschein kommt. Sie härtet innerhalb weniger Stunden aus.
Wie eine Puppe aussieht
Form und Farbe der Puppen variieren stark zwischen den Arten. Der allgemeine Trend ist eine kryptische Färbung, die zum Verpuppungsort passt.
- Puppe des Großen Kohlweißlings — grün oder graubraun; die Farbe hängt vom Untergrund ab (grün auf grünem Blatt, braun auf braunem Holz).
- Puppe des Schwalbenschwanzes — dieselbe Fähigkeit: grün auf grünem, braun auf braunem Hintergrund.
- Puppen mancher Edelfalter — mit goldenen oder silbrigen Flecken; ihre Funktion ist unklar, möglicherweise locken sie parasitische Wespen an, die infizierte Exemplare entfernen.
- Bläulings-Puppen — rundlich, ähneln Vogelkot.
Wie lange das Puppenstadium dauert
Die Dauer hängt von Art und Bedingungen ab:
| Bedingungen | Dauer |
|---|---|
| Sommergeneration (warmes Wetter) | 10–21 Tage |
| Herbstgeneration, Überwinterung als Puppe | 5–8 Monate |
| Bergarten in kaltem Klima | Bis zu 10–11 Monate |
Die meisten Arten der gemäßigten Zone Russlands überwintern als Puppe: Schwalbenschwanz, Großer Kohlweißling, Segelfalter. Puppen überstehen Frost bis etwa -20 °C dank Kryoprotektoren — Glycerin und Trehalose.
Puppe und Kokon: was ist der Unterschied
Schmetterlingspuppe und Nachtfalter-Kokon werden oft verwechselt. Sie sind unterschiedlich:
Puppe (Chrysalis) ist das Insekt selbst im Verwandlungsstadium. Die Puppenhülle ist die modifizierte Haut der Raupe, keine separate Struktur.
Kokon ist eine Schutzhülle, die von der Raupe vor der Verpuppung aus Seide gesponnen wird. Die Puppe befindet sich innerhalb des Kokons. Kokons sind typisch für nachtaktive Arten (Seidenspinner, Schwärmer) und viele andere Insektengruppen. Tagfalter spinnen keine Kokons — ihre Puppe hängt frei.
Die einzige Ausnahme unter Tagfaltern — Bläulinge: Manche spinnen lockere Seiden-„Hemden", wenn auch keinen vollständigen Kokon.
Wo man Puppen findet
Um das Schlüpfen eines Schmetterlings zu beobachten, suchen Sie nach Puppen:
- An Brennnesselstängeln — Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge (August–September)
- An Zäunen und Gebäudewänden — Großer Kohlweißling
- An Doldenblütlern und niedrigen Sträuchern — Schwalbenschwanz
- Unter Baumblättern — Perlmuttfalter
Puppen zur Beobachtung zu sammeln ist zulässig (außer bei geschützten Arten), aber bedenken Sie: Puppen brauchen einen kühlen, feuchten Ort und dürfen nicht beschädigt werden.
Der vollständige Zyklus — im Artikel Metamorphose. Das nächste Stadium — im Artikel Imago.



