Weißlinge und Gelblinge
Weißlinge (Pieridae) — Schmetterlinge mit weißen und gelben Flügeln: Großer Kohlweißling, Kleiner Kohlweißling, Zitronenfalter und Baumweißling.

Was sind Weißlinge
Weißlinge (Pieridae) sind eine Familie von etwa 1.100 Tagfalterarten weltweit. In Russland kommen etwa 60 Arten vor. Der Familienname spiegelt die charakteristische weiße oder gelbe Färbung der meisten Arten wider.
Weißlinge gehören zu den bekanntesten und auffälligsten Schmetterlingen: Der Große Kohlweißling besucht jeden Gemüsegarten, der Zitronenfalter ist das erste leuchtende Frühlingszeichen, und der Baumweißling fliegt manchmal in dichten Schwärmen.
Charakteristische Merkmale
Anders als Edelfalter haben Weißlinge alle drei Beinpaare normal entwickelt — sie laufen auf sechs Beinen. Die Flügel sind breit und gerundet. Die Färbung ist überwiegend weiß, gelb oder orange, mit dunklen (schwarzen oder grauen) Flecken und Rändern. Weibchen vieler Arten sind stärker gefleckt oder dunkler als Männchen.
Weißlinge fliegen meist schnell und geradlinig — anders als die langsam gleitenden Ritterfalter oder die flatternden Edelfalter.
Weißlingsarten in Russland
Großer Kohlweißling (Pieris brassicae)
Der größte und häufigste Weißling Russlands — Flügelspannweite 5–6 cm. Weiß, mit dunklen eckigen Flecken auf den Vorderflügeln. Das Weibchen hat zwei zusätzliche schwarze Flecken in der Mitte. Die Hinterflügelunterseite ist gelblich.
Die Raupe ist blaugrün mit gelben Streifen und schwarzen Punkten; sie frisst Kohl, Rübe, Senf und andere Kreuzblütler. Kann im Garten erheblichen Schaden anrichten.
Zwei bis drei Generationen pro Jahr. Die erste Generation schlüpft im April–Mai aus Puppen, die an Gebäuden und Bäumen überwintert haben.
Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae)
Dem Großen Kohlweißling sehr ähnlich, aber deutlich kleiner — Flügelspannweite 3,5–5 cm. Der eckige Fleck auf dem Vorderflügel ist blasser; die Flecken des Weibchens sind kleiner. Die Hinterflügelunterseite ist cremegelb.
Bevorzugt dieselben Wirtspflanzen wie der Große Kohlweißling, ist aber für Gärtner weniger problematisch — die Bestände sind in Europa in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen.
Grünaderweißling (Pieris napi)
Ähnlich dem Kleinen Kohlweißling, aber die Hinterflügelunterseite hat grünliche Adern. Weibchen sind oben dunkler, mit ausgeprägtem Adermuster. Lebt in bewaldeten Regionen; die Raupe frisst wilde Kreuzblütler — Knoblauchsrauke, Wiesenschaumkraut.
Baumweißling (Aporia crataegi)
Weiß mit auffälligen dunklen (bei frischen Exemplaren graubraunen) Flügeladern. Groß — Flügelspannweite 5–7 cm. Eine Generation pro Jahr.
Die Raupen überwintern koloniebildend in Seidennestern auf Weißdorn, Apfel und Traubenkirsche. In Jahren mit Massenvermehrung wandern Schwärme von Baumweißlingen und bedecken Straßen und Felder. Solche „Invasionen" wurden schon im 19. Jahrhundert häufig festgestellt.
Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)
Eine der bekanntesten Arten Russlands. Das Männchen ist kräftig zitronengelb; das Weibchen blassgrünlich, blattähnlich. Die Flügel haben einen charakteristischen eckigen Umriss und einen kleinen orangen Fleck in der Mitte jedes Flügels.
Rekordhalter für Langlebigkeit unter europäischen Schmetterlingen: bis zu 12 Monate. Überwintert als erwachsener Falter im grünen Laub (Efeu, Mistel) und erscheint im März — einer der ersten Frühlingsschmetterlinge.
Die Raupe ist grün und frisst Faulbaumblätter — die einzige Wirtspflanze.
Aurorafalter (Anthocharis cardamines)
Ein kleiner, zarter Frühlingsweißling. Das Männchen ist weiß mit einer leuchtend orangen Spitze auf dem Vorderflügel — anders als andere Weißlinge. Dem Weibchen fehlt das Orange; die Unterseite hat ein grünes Mosaikmuster.
Fliegt im April und Mai, eine Generation. Die Raupe frisst Zahnwurz, Wiesenschaumkraut und andere Waldkreuzblütler.
Gelblinge (Colias)
Eine Artengruppe mit gelber oder orangegelber Grundfarbe und dunklem Rand entlang der Flügelränder. In Russland kommen etwa 15 Gelbling-Arten vor — von Steppen- bis Berg- und arktischen Formen. Weibchen sind oft weiß oder cremefarben. Die Arten sind schwer zu unterscheiden — bestimmen Sie sie anhand der Randbreite und des Unterseitenmusters.
Ökologie und Wirtspflanzen
Die meisten Weißlinge sind an Kreuzblütler (Brassicaceae) gebunden — Kohl, Senf, Ackersenf, Raps. Ausnahmen: Zitronenfalter (Faulbaum), Gelblinge (Hülsenfrüchtler — Klee, Esparsette, Wicke).
Weißlinge sind bei sonnigem Wetter aktiv; an bewölkten Tagen verstecken sie sich im Gras. Sie besuchen gerne Klee-, Senf- und Distelblüten.
Wie man sie von anderen Familien unterscheidet
- Von Ritterfaltern — Weißlinge sind viel kleiner, ohne „Schwänze", mit einheitlich weißer oder gelber Färbung.
- Von Edelfaltern — Weißlinge sind nicht orange oder auffällig gemustert (außer manche Gelblinge) und laufen auf sechs Beinen.
- Ist ein Schmetterling weiß oder gelb — handelt es sich fast sicher um einen Weißling. Nutzen Sie den Farbbestimmer, um die Art einzugrenzen.