Tagpfauenauge
Das Tagpfauenauge ist einer der schönsten Schmetterlinge der gemäßigten Zone. Vier große Flügel-«Augen» imitieren den Blick eines Fressfeindes und schützen es vor Vögeln.

Wichtigste Fakten
- Lateinischer Name
- Aglais io
- Familie
- Nymphalidae
- Flügelspannweite
- 50-62 mm
- Flugzeit
- März — Oktober
- Futterpflanzen
- Brennnessel, Hopfen
- Schutzstatus
- LCNicht gefährdet (Least Concern)
Aussehen
Das Tagpfauenauge (Aglais io) gehört zu den schönsten Schmetterlingen der gemäßigten Zone. Flügelspannweite 50–62 mm. Die Oberseite ist rotbraun mit ziegelfarbenem Schimmer. Das wichtigste Feldmerkmal — vier große „Augenflecken": zwei auf den Vorderflügeln (mit blauen, gelben und schwarzen konzentrischen Ringen) und zwei auf den Hinterflügeln.
Die Unterseite steht in scharfem Kontrast zur Oberseite: dunkelbraun, fast schwarz, mit chaotisch marmoriertem Muster. Mit gefalteten Flügeln ist der Schmetterling auf Rinde oder gefallenem Laub völlig unauffällig.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum
Das Tagpfauenauge kommt in ganz Europa und im gemäßigten Gürtel Asiens bis zu den japanischen Inseln vor. In Russland ist es überall in Wald- und Waldsteppenzonen zu finden und erreicht in den Bergen bis zu 2.500 m.
Es bevorzugt sonnige Waldränder, Wiesen, Flussufer, Gärten und Parks. Es ist auf Stadtplätzen häufig, wo geeignete Wirtspflanzen und Nektarquellen wachsen.
Lebenszyklus
Wie der Kleine Fuchs überwintert das Tagpfauenauge als Imago. Überwinterte Falter erscheinen im März, wenn an Waldrändern noch Schnee liegen kann.
Das Weibchen legt Eier auf der Unterseite von Brennnesselblättern in dichten Gelegen ab. Die Raupen sind dunkel, fast schwarz mit weißen Punkten und Dornen, und leben in Kolonien. Kurz vor der Verpuppung verteilen sie sich einzeln.
Die Puppe ist eckig, braun oder grünlich mit goldenen Höckern. Die Falter der neuen Generation schlüpfen nach etwa zwei Wochen. In Zentralrussland gibt es zwei Generationen pro Jahr: eine Sommerbrut (Juli–August) und eine Herbstbrut (August–September), die in die Winterruhe übergeht.
Verteidigende „Augen"
Die „Augenflecken" auf den Flügeln des Tagpfauenauges sind ein Beispiel für aposematische Musterung. Bei plötzlicher Bedrohung breitet der Schmetterling scharf die Flügel aus und zeigt alle vier „Augen" — für den Bruchteil einer Sekunde kann das einen kleinen Vogel-Fressfeind lähmen und dem Schmetterling Zeit zur Flucht verschaffen.
Studien zeigen, dass Vögel, die diesem Anzeigemuster begegnet sind, es lange meiden, Tagpfauenaugen anzugreifen. Mehr zur Rolle der Farbe — im Artikel warum Schmetterlinge bunte Flügel haben.
Verhalten
Das Tagpfauenauge ist eine aktive tagaktive Art. Männchen besetzen sonnige Lichtungen und verfolgen jeden Konkurrenten, der ihr Revier betritt. Bei warmem Wetter sonnen sie sich gerne am Boden, auf Steinen oder Zäunen mit ausgebreiteten Flügeln. Bei Bedrohung öffnen sie sofort ihre Flügel mit den „Augenflecken" — dieser Reflex ist so schnell, dass ein Vogel-Fressfeind oft zur Seite springt.
Sie nähren sich an Nektar von Klette, Schmetterlingsflieder, Klee, Weidenröschen und Distel. Im Herbst besuchen sie den Saft überreifer Früchte.
Fortpflanzung
Das Weibchen legt Eier auf der Unterseite von Brennnesselblättern in kleinen Gelegen ab. Die Eier sind grünlich und gerippt. Die Raupen sind dunkel, fast schwarz mit weißen Punkten und verzweigten Dornen, und leben in Kolonien. Vor der Verpuppung verteilen sie sich einzeln. Die Puppe ist braun oder grünlich mit metallischen Höckern; das Puppenstadium dauert etwa zwei Wochen. In Zentralrussland gibt es zwei Generationen pro Jahr: eine Sommerbrut (Juli) und eine Herbstbrut (August–September), die überwintert.
Überwinterung
Das Tagpfauenauge überwintert als Imago — zusammen mit Kleinem Fuchs und Trauermantel. Im Herbst legen die Falter Fettreserven an und suchen ein Versteck: Dachboden, Keller, Höhle oder Baumhöhle. In dunklen Räumen bietet die dunkle Flügelunterseite ideale Tarnung. Die Überwinterung dauert von Oktober bis März; an warmen Wintertagen fliegen die Falter manchmal kurz aus und kehren zurück.
Interessante Fakten
- Greift ein Vogel von hinten an, imitieren die „Augenflecken" den Blick eines großen Fressfeindes — das löst bei den meisten Vögeln eine angeborene Furcht aus.
- In Experimenten wurden Exemplare mit übermalten „Augen" etwa viermal häufiger von Vögeln gefressen als unbehandelte.
- Das Tagpfauenauge kann durch Reiben seiner Flügel ein leises schabendes Geräusch erzeugen — das schreckt Fledermäuse in Winterquartieren ab.
- Es gehört zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Schmetterlingen Europas und ist in vielen Sprachen als „Pfauenauge" oder Ähnliches benannt.


