Trauermantel
Der Trauermantel ist ein großer Schmetterling mit dunkel schokoladenbraunen Flügeln, umrandet von einem gelben Band und blauen Flecken — einer der langlebigsten Schmetterlinge Europas.

Wichtigste Fakten
- Lateinischer Name
- Nymphalis antiopa
- Familie
- Nymphalidae
- Flügelspannweite
- 64-88 mm
- Flugzeit
- Juni — Oktober
- Futterpflanzen
- Weide, Birke, Pappel, Ulme
- Schutzstatus
- LCNicht gefährdet (Least Concern)
Aussehen
Der Trauermantel (Nymphalis antiopa) ist einer der größten Tagfalter Russlands mit einer Flügelspannweite von 64–88 mm. Die Flügeloberseite ist dunkel schokoladenbraun (fast schwarz) mit einem breiten cremegelben Band entlang des Außenrandes. Entlang der Innenkante des gelben Bandes — eine Reihe blauer Flecken.
Die Flügelunterseite ist dunkelgrau mit feinen helleren Strichen. Der gelbe Rand verblasst mit dem Alter fast bis Weiß.
Ein charakteristisches Merkmal — die gezackten Ränder der Hinterflügel, die einen „zerrissenen" Randeffekt erzeugen.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum
Der Trauermantel ist in der gesamten Waldzone Europas und Asiens sowie in Nordamerika verbreitet. In Russland kommt er von der Westgrenze bis zum Pazifik vor.
Er bevorzugt Laub- und Mischwälder, Flussauen mit Weide und Birkenhaine. Man findet ihn oft an Berg-Wiesenhängen. In den Bergen erreicht er bis zu 2.000 m.
Ein langlebiger Schmetterling
Der Trauermantel hält den Rekord für Lebensdauer unter europäischen Tagfaltern. Das Imago lebt 10–12 Monate. Der Schmetterling schlüpft im Juli–August aus der Puppe, ist bis zu den ersten Frösten aktiv und geht dann in die Winterruhe.
Nach der Überwinterung erscheint er im März–April, wenn im Wald noch Schnee liegen kann. Zu diesem Zeitpunkt sind die Flügel deutlich abgenutzt und der gelbe Rand verblasst, doch die Flugfähigkeit bleibt erhalten.
Lebenszyklus
Das Weibchen legt Eier ringförmig um dünne Zweige von Weide, Birke oder Pappel — 150–300 Eier pro Gelege. Die Raupen sind schwarz mit roten Flecken und verzweigten Dornen und leben koloniebildend.
Die Puppe ist eckig, bräunlich-grau mit orangen Höckern. Das Puppenstadium dauert etwa zwei Wochen. Die ersten Falter erscheinen im Juli.
Die Überwinterung findet an abgeschiedenen Orten statt: unter Rinde, in Baumhöhlen, Spalten. Dank der Glycerinansammlung in der Hämolymphe übersteht der Trauermantel Fröste bis −20 °C.
Verhalten
Der Trauermantel ist vom zeitigen Frühjahr bis zu den ersten Frösten aktiv. Der Flug ist kraftvoll und schnell; der Schmetterling gleitet oft mit halb gesenkten Flügeln. Männchen besetzen Waldlichtungen und kehren oft Tag für Tag an denselben Platz zurück. Er ernährt sich von Baumsaft, gefallenem Obst und Weidenblütennektar. Er steigt gerne zum Pfützensaugen auf feuchte Waldwege herab — um Mineralsalze aus feuchtem Boden aufzunehmen.
Fortpflanzung
Das Weibchen legt Eier ringförmig um dünne Weiden- oder Birkenzweige ab — bis zu 300 Eier in einem Gelege. Die Raupen sind schwarz mit roten Flecken und verzweigten Dornen, leben in einer engen Kolonie und fressen synchron. Vor der Verpuppung verteilen sie sich einzeln. Die Puppe ist graubraun mit orangen Höckern; das Puppenstadium dauert etwa zwei Wochen. Die Falter schlüpfen im Juli.
Überwinterung
Der Trauermantel überwintert als erwachsener Falter unter Baumrinde, in Baumhöhlen, Felsspalten und ungenutzten Gebäuden. Ein einzigartiges Merkmal — die Toleranz gegenüber tiefem Frost: Glycerin sammelt sich in der Hämolymphe an und verhindert die Bildung von Eiskristallen. Überleben bei −20 °C wurde dokumentiert. Im Frühjahr gehört der Trauermantel zu den ersten, die erwachen — oft schon im März, wenn der Schnee noch nicht geschmolzen ist.
Interessante Fakten
- Der Trauermantel lebt 10–12 Monate — ein Lebensdauerrekord unter europäischen Tagfaltern.
- Der gelbe Rand verblasst gegen Ende des Lebens fast bis Weiß: So lässt sich ein alter Falter leicht von einem frisch geschlüpften unterscheiden.
- In Nordamerika heißt die Art „Mourning Cloak" — derselbe Bezug auf Trauerkleidung wie im Deutschen.
- Der Trauermantel gibt Pheromone aus speziellen Drüsen ab, die Fledermäuse in Winterquartieren abschrecken.


