Distelfalter
Der Distelfalter ist einer der Schmetterlinge mit der weitesten Wanderstrecke. Jedes Jahr legt er Tausende von Kilometern von Afrika nach Europa und Russland zurück.

Wichtigste Fakten
- Lateinischer Name
- Vanessa cardui
- Familie
- Nymphalidae
- Flügelspannweite
- 46-64 mm
- Flugzeit
- April — Oktober
- Futterpflanzen
- Distel, Klette, Brennnessel, Malve
- Schutzstatus
- LCNicht gefährdet (Least Concern)
Aussehen
Der Distelfalter (Vanessa cardui) ist ein mittelgroßer Schmetterling mit einer Flügelspannweite von 46–64 mm. Die Flügeloberseite ist hellorange mit ockerfarbenem Schimmer, gezeichnet mit schwarzen Flecken und weißen Sprenkeln an der Vorderflügelspitze. Entlang des Hinterflügelaußenrandes verläuft eine Reihe kleiner „Augenflecken".
Die Hinterflügelunterseite ist kunstvoll gemustert in Beige, Braun und Weiß — undeutliche „Augenflecken" lassen sich erkennen. Dank der hellen Farbe wirkt der Distelfalter im Vergleich zu Admiral oder Kleinem Fuchs „verblasst".
Verbreitungsgebiet — weltweit
Der Distelfalter ist der einzige Schmetterling, der auf allen Kontinenten außer Südamerika und der Antarktis vorkommt. Er gehört zu den am weitesten verbreiteten Insektenarten der Erde.
In Russland kommt er in den gesamten südlichen und mittleren Regionen vor, seltener im Norden. Die Bestandszahlen schwanken von Jahr zu Jahr stark, je nach Erfolg der Frühjahrswanderung aus Afrika.
Rekordmigration
Untersuchungen aus dem Jahr 2019 mittels stabiler Wasserstoff-Isotopenanalyse der Flügel zeigten, dass Distelfalter, die in Westafrika überwintern, nach Norden durch die Sahara nach Europa fliegen — eine Entfernung von mehr als 4.200 km. Der herbstliche Rückflug nach Afrika erfolgt über sechs aufeinanderfolgende Generationen und umfasst insgesamt bis zu 12.000 km.
Lebenszyklus
Das Weibchen legt Eier einzeln auf der Oberseite von Distel- und Brennnesselblättern ab. Die Raupe ist dunkel mit verzweigten Dornen und lebt in einem einzelnen Versteck. Die Puppe kann grün oder braun mit metallischen Höckern sein.
Im gemäßigten Klima gibt es zwei bis drei Generationen pro Jahr, doch die erste Generation erscheint erst nach der Ankunft der Wanderfalter aus Afrika — meist nicht vor Mai.
Verhalten
Der Distelfalter ist ein schneller, unermüdlicher Flieger. Männchen besetzen erhöhte Stellen und führen Luftkämpfe mit Rivalen. Er landet gerne auf blühender Distel und Klette, was der Art ihren Namen gab. Beim Fressen zittert er oft mit den Flügeln, ohne sie ganz zu falten — das ermöglicht ein schnelles Auffliegen bei Bedrohung. Bei bewölktem Wetter ruht er im Versteck: Die marmorierte Unterseite macht den Schmetterling zwischen altem Laub fast unsichtbar.
Fortpflanzung
Das Weibchen legt Eier einzeln auf Blätter der Wirtspflanzen ab — Distel, Klette, Brennnessel, Malve. Das Ei ist gerippt und grünlich. Die Raupe ist graugrün oder bräunlich mit gelben Streifen und verzweigten Dornen und lebt einzeln in einem Versteck aus zusammengerolltem Blatt. Die Puppe ist grünlich-braun mit metallischen Höckern. Der volle Zyklus vom Ei zum Imago dauert etwa 30 Tage.
Überwinterung und Migration
Der Distelfalter überwintert nicht in gemäßigten Breiten. Herbstliche Exemplare wandern zurück nach Westafrika und überqueren dabei die Sahara. Diese Route dauert mehrere Generationen und umfasst insgesamt bis zu 12.000 km — ein absoluter Rekord unter Schmetterlingen. Die chemische Analyse stabiler Wasserstoffisotope in den Flügeln ermöglichte es Wissenschaftlern, 2019 die gesamte Route nachzuvollziehen.
Interessante Fakten
- Der Distelfalter ist der einzige Schmetterling, der auf allen Kontinenten außer Südamerika und der Antarktis vorkommt.
- Bei Rückenwind kann er bis zu 500 km an einem Tag zurücklegen.
- Der deutsche Name „Distelfalter" bezieht sich auf die bevorzugte Nektar- und Raupen-Wirtspflanze — die Distel.
- Die Bestandszahlen in Russland hängen stark vom Erfolg der Migration ab: In „guten" Jahren ist der Distelfalter überall zu sehen; in schwachen Jahren nur vereinzelt.


