Schmetterlinge im Sommer
Der Sommer ist der Höhepunkt der Schmetterlingsvielfalt. Welche Arten von Juni bis August fliegen, wo man sie findet und beobachtet, sowie ihr Verhalten und ihre Fortpflanzung.

Sommer — Hochsaison für Schmetterlinge
Von Juni bis August fliegen in Zentralrussland und Mitteleuropa gleichzeitig zwischen 50 und 100 Tagfalterarten — je nach Region und Lebensraum. Das ist ein Vielfaches gegenüber Frühling oder Herbst. Das Sommermaximum entsteht durch mehrere Wellen: die zweite Generation überwinternder Imagines, neue einbrütige Arten und die ersten Vertreter des Herbstflugs.
Arten nach Monat
Juni
Juni ist der Monat der Schwalbenschwänze und Perlmutterfalter. Es fliegen der Schwalbenschwanz (Papilio machaon), der Segelfalter (Iphiclides podalirius), der Apollofalter (Parnassius apollo) in den Bergen. Unter den Edelfaltern sind alle Perlmutterfalter aktiv — Kaisermantel (Argynnis paphia), Kleiner Perlmuttfalter (Issoria lathonia), Braunfleckiger Perlmuttfalter (Boloria selene). Der Admiral (Vanessa atalanta) ist weit verbreitet — zweite Frühjahrsgeneration. Der Flug der Augenfalter beginnt — Schachbrett (Melanargia galathea) und Waldbrettspiel (Pararge aegeria).
Juli
Juli ist der absolute Höhepunkt. Zu den Juni-Arten kommen große Augenfalter, alle Generationen der Bläulinge (Hauhechel-Bläuling Ikarus, Vogelwicken-Bläuling Amanda), die zweite Generation der Weißlinge. Auf Wiesen mit Doldenblütlern fliegt der Distelfalter (Vanessa cardui) in großer Zahl. In Wäldern erscheint der Große Schillerfalter (Apatura iris), verbunden mit Weiden-Auwäldern.
August
Mitte August beginnt die Vielfalt zu sinken. Noch fliegen die zweite Generation von Großem und Kleinem Kohlweißling, Bläulinge und Gelblinge. Die ersten Anzeichen des Herbstflugs erscheinen: überwinternde Imagines — Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge — gehen in den „Herbstmodus" über und bauen Fettreserven auf.
Sommerverhalten
Thermoregulation
Schmetterlinge sind wechselwarm: Die Körpertemperatur hängt von der Umgebung ab. An heißen Tagen bei +28–32 °C spreizen sie die Flügel senkrecht zu den Sonnenstrahlen und erwärmen die Brustmuskulatur auf eine Arbeitsstemperatur von ~35 °C. Bei Überhitzung falten sie die Flügel schmal zur Sonne oder suchen Schatten.
Die Sommeraktivität ist daher zweigipflig: morgendlicher Höhepunkt (9–11 Uhr) und abendlicher Höhepunkt (16–19 Uhr). In der Mittagshitze sind die meisten Arten inaktiv.
Pfützensaugen
Heißer Sommer ist die Saison des Pfützensaugens. An Pfützen, nassen Wegen und Flussufern versammeln sich Gruppen männlicher Bläulinge, Weißlinge und Schwalbenschwänze. Sie saugen Wasser mit gelösten Mineralsalzen auf — Natrium, Kalium und Aminosäuren. Die gewonnenen Stoffe werden der Weibchen zusammen mit dem Spermatophor übergeben: Je „reicher" das Männchen, desto höher die Überlebensrate seiner Nachkommen.
Fortpflanzung
Die meisten Arten pflanzen sich im Sommer fort. Weibchen suchen Wirtspflanzen zum Eierlegen: Der Kleine Fuchs nutzt Brennnesseln, der Große Kohlweißling Kohl und Senf, der Hauhechel-Bläuling Klee und Luzerne. Raupen der Sommergeneration entwickeln sich schneller als Frühjahrsraupen — hohe Temperatur beschleunigt den Stoffwechsel.
Beste Sommerlebensräume
Blühende Wiesen — der Hauptort für Sommerschmetterlinge. Disteln, Schafgarbe, Klee und Schmetterlingsflieder locken Dutzende Arten an. In Regionen mit erhaltenen ungemähten Wiesen ist die Vielfalt am größten.
Waldränder und Lichtungen — Jagdrevier für Schillerfalter, Perlmutterfalter und Zipfelfalter. Zusätzliche Voraussetzung — Doldenblütler für Schwalbenschwänze.
Bergwiesen und alpine Zonen — Konzentration seltener Arten. Im Kaukasus und Altai begegnet man in 1.500–2.500 m Höhe im Juli dem Apollofalter, Schwarzen Apollo und Berg-Augenfaltern.
Flussufer — Pfützensaugplätze und Jagdrevier für Schillerfalter. Weiden-Espen-Auwälder sind Lebensraum des Großen Schillerfalters (Apatura iris).
Tipps für Beobachter
- Kommen Sie zwischen 9 und 11 Uhr auf die Wiese — wenn Schmetterlinge schon aktiv, aber noch nicht so scheu sind wie mittags.
- Pfützensaugen lässt sich am leichtesten an schlammigen Pfützen auf unbefestigten Wegen nach Regen an heißen Tagen beobachten.
- Sommerschmetterlinge lassen sich mit Seitenlicht leichter fotografieren — die angehobenen Vorderflügel werfen Schatten, und das Muster ist gut erkennbar.
Interessante Fakten
- Im Juli wurden in der Oblast Moskau an einem einzigen Tag bis zu 60 Tagfalterarten erfasst — ein Rekord für gemäßigtes Klima.
- Der Admiral (Vanessa atalanta) unternimmt im Sommer eine Wanderung von Nordafrika nach Skandinavien — eine Strecke von bis zu 4.000 km.
- Manche Sommerraupen gehen bei langen Tagen in Diapause (Entwicklungsstopp) und halten „Sommerraupen" bis zum Herbst — eine Anpassung an unberechenbares Klima.



