Schmetterlinge im Frühling
Welche Schmetterlinge zuerst im Frühling erscheinen und warum. Überwinternde Arten, Flugperioden, Verhalten im März–Mai. Frühlingsschmetterlinge Russlands und Europas.

Erste Schmetterlinge: überwinternde Imagines erwachen
Schmetterlinge verschwinden im Winter nicht vollständig — viele Arten überwintern als Imagines, eingeklemmt in Rindenspalten, trockenem Laub, Dachböden und Schuppen. Die erste Frühlingswärme ist das Signal zum Erwachen.
Der Kleine Fuchs (Aglais urticae) erwacht aus dem Winterschlaf schon bei +8 °C. Er ist von Ende Februar bis Anfang März an sonnenbeschienenen Hauswänden zu sehen, während noch Schnee liegt. Der Schmetterling sonnt sich mit gespreizten Flügeln und erwärmt die Flugmuskulatur in der Sonne. Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) ist eine weitere früh erwachende überwinternde Art. Männchen sind leuchtend gelb, Weibchen grünlich-weiß. Anders als der Kleine Fuchs überwintert der Zitronenfalter im Laub — seine Tarnfärbung imitiert ein grünes Blatt und ermöglicht Verstecken direkt an den Zweigen.
Etwas später erwachen Tagpfauenauge (Aglais io) und Großer Fuchs (Nymphalis polychloros). Alle vier Arten sind Edelfalter, die als Imagines überwintern.
Frühjahrsgeneration erster Art
Neben den überwinternden Imagines schlüpft die erste Generation von Arten, die als Puppen oder Eier überwintert haben. Im April beginnen diese zu fliegen:
- Großer Kohlweißling (Pieris brassicae) — weißer Schmetterling mit schwarzen Spitzen an den Vorderflügeln. Die Frühjahrsgeneration (Form verna) ist merklich blasser als die Sommergeneration: Das Muster ist reduziert.
- Grünaderweißling (Pieris napi) — kleiner Weißling mit dunklen Adern. Einer der häufigsten Frühlingsschmetterlinge an Waldlichtungen.
- Goldene Acht (Colias hyale) — blassgelber Schmetterling der Kleefelder.
- Baumweißling (Aporia crataegi) — großer Weißling mit durchscheinenden Flügeln in schwarzem Gittermuster, typisch für Waldränder mit Weißdorn.
Frühjahrsverhalten: Aufwärmen und Paarung
Nach der Überwinterung müssen Schmetterlinge aufwärmen und Energiereserven auffüllen. Überwinternde Imagines fressen aktiv am Nektar früher Blüten: Weide, Huflattich, Gagea, Krokusse. Die dunkle Färbung der Edelfalterflügel hilft, Sonnenwärme schnell aufzunehmen — das Prinzip des dunklen Strahlers.
Männchen früher Arten besetzen „Warteposten" — warme Steine, Schneeschmelzflächen, Waldränder — und greifen jedes bewegliche Objekt passender Größe an. Weibchen sind nach der Überwinterung bereits paarungsbereit. Beim Kleinen Fuchs und Tagpfauenauge findet die Paarung bald nach dem Erwachen statt; danach sterben Männchen, und Weibchen suchen Wirtspflanzen zum Eierlegen.
Frühjahrsflug nach Region
In Zentralrussland erscheinen die ersten Schmetterlinge von Ende März bis Anfang April (in warmen Jahren — ab Ende Februar). Der Höhepunkt der Vielfalt liegt im April. Im Mai beginnen wärmeliebende Arten zu fliegen: Zipfelfalter, einige Bläulinge.
In Südrussland und der Krim erwachen überwinternde Imagines schon im Februar. Hier trifft man im März Schwalbenschwänze — Segelfalter (Iphiclides podalirius) und sogar den ersten Schwalbenschwanz (Papilio machaon) an warmen Hängen.
In Sibirien und am Ural kommt der Frühling spät: Die ersten Schmetterlinge erscheinen im April–Mai, und der kurze Sommer drängt Frühling und Sommer fast zusammen.
Leitfaden für Frühjahrsbeobachter
Der Frühling ist die beste Zeit, überwinternde Imagines zu studieren: Verblasste Kleine Fuchse und Zitronenfalter lassen sich leicht von frischen Sommerexemplaren unterscheiden. Prüfen Sie an sonnigen Tagen ab Ende Februar sonnenbeschienene Hauswände. Waldlichtungen mit blühenden Weiden sind im März die besten Beobachtungsplätze.
Im April geht es auf Wiesen mit Huflattich und Löwenzahn — dort konzentrieren sich die ersten Weißlinge und Gelblinge. Die Artenvielfalt steigt Ende April, wenn die Temperatur zuverlässig +15 °C übersteigt.
Interessante Fakten
- Der Zitronenfalter lebt bis zu 12 Monate — ein Rekord unter europäischen Arten. Der Schmetterling, den Sie im Frühling sehen, kann im Vorjahr geschlüpft sein.
- Der Kleine Fuchs kann in Wohnungen überwintern: Er wird oft in Kleiderschränken und Dachböden gefunden.
- In Großbritannien wird der erste Frühlingsflug des Kleinen Fuchses in Bürgerbeobachtungen seit 1736 erfasst — eine der ältesten phänologischen Datenreihen für Schmetterlinge.
- Frühjahrsformen mancher Arten unterscheiden sich so deutlich von Sommerformen, dass sie historisch als separate Arten beschrieben wurden.



