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Schmetterlinge im Herbst

~1 Min.

Im Herbst bereiten sich Schmetterlinge auf den Winter vor oder ziehen nach Süden. Welche Arten im September–Oktober fliegen, ihr Verhalten vor dem Winterschlaf und wer wandert.

Schmetterlinge im Herbst

Herbstflug: die letzten warmen Tage

Ab Ende August ändert sich die Zusammensetzung der fliegenden Arten. Perlmutterfalter, die meisten Bläulinge und einbrütige Augenfalter verschwinden. Die Bühne übernehmen langlebige Edelfalter — überwinternde Imagines, die vor dem Rückzug ins Versteck Fettreserven aufbauen müssen. Der Herbst ist für sie keine Abklingphase, sondern eine aktive Vorbereitungszeit.

Wer fliegt im September und Oktober

Der Kleine Fuchs (Aglais urticae) ist den ganzen September aktiv — er besucht die letzten Blüten von Schafgarbe, Schmetterlingsflieder und Distel. Im Oktober sucht er Winterschlafplätze: Rindenspalten, Dachböden und Schuppen.

Das Tagpfauenauge (Aglais io) verhält sich ähnlich. Bemerkenswert: Herbstexemplare sind deutlich leuchtender als die im Frühjahr erwachten überwinternden Imagines — frische Färbung verblasst allmählich über 6–8 Monate Lagerung.

Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) fliegt am längsten. Im Oktober trifft man Zitronenfalter an sonnigen Tagen, wenn andere Arten schon im Winterschlaf sind. Er überwintert direkt im Laub von Sträuchern: Die grüne Flügelunterseite macht ihn auf Efeu oder immergrünen Büschen praktisch unsichtbar.

Der Große Fuchs (Nymphalis polychloros) ist eine seltenere überwinternde Art; bis Ende September im Süden des Verbreitungsgebiets anzutreffen.

Herbstwanderer

Manche Arten überwintern nicht in kalten Regionen, sondern ziehen im Herbst nach Süden.

Der Admiral (Vanessa atalanta) ist ein Teilstrecken-Wanderfalter. Die meisten Individuen aus Mitteleuropa und Nordeuropa ziehen nach Südeuropa und Nordafrika. Im September lassen sich Admirale an herabgefallenen Äpfeln und Birnen beobachten — die Schmetterlinge tanken Zucker aus vergorenen Früchten. Die Rückwanderung (Frühjahr) aus Afrika bringt eine neue Generation nach Europa.

Der Distelfalter (Vanessa cardui) gehört zu den Rekordhaltern der Fernwanderung. Im Herbst fliegt er von Europa über die Sahara bis ins tropische Afrika — eine einzelne Strecke von bis zu 4.000 km. Im Frühjahr kehren die Nachkommen zurück. Bemerkenswert: Eine Route erstreckt sich über mehrere Generationen.

Vorbereitung auf den Winterschlaf

Überwinternde Edelfalter ändern ihr Verhalten im Herbst drastisch: Sie paaren sich nicht mehr, fressen intensiv und suchen Verstecke. Glycerin reichert sich im Gewebe an — ein Kryoprotektiv, das die Gefriertemperatur der Zellflüssigkeiten senkt und Frostschäden verhindert.

Die Wahl des Verstecks ist entscheidend. Der Kleine Fuchs klettert bereitwillig in Dachböden, Schuppen und hohle Stämme. Steigt die Temperatur im Dezember oder Januar, erwacht der Schmetterling und kann bei Sonnenschein selbst bei Frost herausfliegen — ein Fehler, der ihn das Leben kostet. Ein gestörter winterschlafender Schmetterling erschöpft seine Fettreserven und überlebt den Frühling nicht.

Andere Überwinterungsstadien

Arten, die nicht als Imagines überwintern, schließen ihren Zyklus bis zum Herbst ab:

  • Weißlinge (Großer Kohlweißling, Grünaderweißling, Kleiner Kohlweißling) überwintern als Puppe im Herbst. Puppen an Zweigen und Stängeln vertragen Frost gut.
  • Schwalbenschwänze — ebenfalls als Puppe. Die Schwalbenschwanz-Puppe kann mehrere Jahre überwintern, wenn der Frühling kalt bleibt.
  • Baumweißling (Aporia crataegi) überwintert als Raupe: Junge Raupen verstecken sich in einer gerollten Weißdornblatt-Röhre, mit Seide zusammengebunden.
  • Bläulinge — bei manchen Arten überwintern Eier, bei anderen Raupen im 1.–2. Stadium.

Herbstbeobachtung

Der Herbst bietet eine einzigartige Beobachtungsmöglichkeit: Bei warmem Wetter konzentrieren sich Schmetterlinge auf spät blühende nektarreiche Pflanzen — Schmetterlingsflieder, Fetthenne, Distel und Minze. In Gartenanlagen sieht man im Herbst oft mehrere Edelfalter an einem einzigen Strauch.

Herabgefallene Früchte in Obstgärten locken Admiral, Tagpfauenauge und Kleinen Fuchs von Ende August bis September an. „Betrunkene" Schmetterlinge auf vergorenen Birnen zu beobachten ist eine klassische Herbstszene.

Interessante Fakten

  • Der Zitronenfalter übersteht durch Glycerin-Ansammlung Gefrieren bis −20 °C. Das ist einer der Kälteresistenz-Rekorde unter gemäßigten Insekten.
  • Der Admiral (Vanessa atalanta) heißt im Englischen „admiral", weil die charakteristischen roten „Bänder" auf den Flügeln an Admiralsabzeichen erinnern.
  • In Japan unternimmt der Distelfalter (Vanessa cardui) transozeanische Flüge über den Pazifik — eine Strecke von mehr als 5.000 km ohne Zwischenstopps.
  • Überwinternde Kleine Fuchse in Wohnungen erwachen oft im Februar durch die Wärme der Heizung — man empfiehlt, sie vorsichtig in einen kühlen Schuppen zu bringen.

Siehe auch

Schmetterlinge im Frühling
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Erwachen nach dem Winterschlaf
Schmetterlinge im Sommer
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Höhepunkt der Sommervielfalt
Wie Schmetterlinge überwintern
Wie Schmetterlinge überwintern
Ausführliche Übersicht der Überwinterungsstrategien
Admiral
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Herbstwanderer

Häufig gestellte Fragen