Wald-Mohrenfalter
Der Wald-Mohrenfalter (Erebia medusa) ist ein Grauling feuchter Wiesen in Mitteleuropa — schokoladenbraune Flügel mit orange umringten Augenflecken.

Wichtigste Fakten
- Lateinischer Name
- Erebia medusa
- Familie
- Nymphalidae
- Flügelspannweite
- 34–45 mm
- Flugzeit
- Mai — Juni
- Futterpflanzen
- Pfeifengras (Molinia caerulea), Wiesenrispengras (Poa pratensis), Rot-Schwingel (Festuca rubra), Wald-Rispengras (Calamagrostis epigeios)
- Schutzstatus
- LCNicht gefährdet (Least Concern)
Aussehen
Der Wald-Mohrenfalter ist ein mittelgroßer Schmetterling mit 34–45 mm Flügelspannweite. Beide Flügelseiten sind dunkel schokoladenbraun; die Oberseite trägt ein Band auffälliger orange umringter, weiß gepupillter schwarzer Augenflecken vom Vorderflügel-Apex bis zum äußeren Hinterflügelrand — meist vier bis sechs Flecken am Vorderflügel und vier bis fünf am Hinterflügel.
Die Unterseite wiederholt das Augenfleckenmuster auf etwas blasserem, graubraunem Grund und bietet Tarnung, wenn der Schmetterling mit geschlossenen Flügeln auf totem Gras ruht. Männchen sind geringfügig dunkler als Weibchen; abgenutzte Individuen verlieren orange Ringe und weiße Pupillen, was die Bestimmung spät in der Saison erschwert.
Verbreitung und Lebensraum
Der Wald-Mohrenfalter reicht von den Alpen und Karpaten ostwärts durch Mitteleuropa, Polen und die Baltischen Staaten bis Südskandinavien und weiter über den Ural und Westsibirien bis Altai und Sajan. Isolierte Populationen gibt es im Harz und Thüringer Wald in Deutschland.
Bevorzugte Lebensräume sind feuchte Hochgraswiesen, Waldlichtungen und Ränder feuchter Waldwege. Im Gegensatz zu manchen streng montanen Erebia-Arten kommt E. medusa von nahe Meereshöhe in Polen und Russland bis etwa 1.800 m in den Alpen vor, wo Pfeifengras (Molinia caerulea) und andere hohe Gräser in feuchten, mäßig schattigen Bedingungen gedeihen.
Lebenszyklus
Der Wald-Mohrenfalter ist einjährig einbrütig; Erwachsene fliegen je nach Höhe und Breite von Mitte Mai bis Ende Juni. In alpinen Populationen beginnt die Flugzeit Ende Juni und endet im Juli.
Weibchen legen Eier einzeln auf Grashalme. Die junge Raupe schlüpft im Sommer, wächst im Herbst langsam; sie überwintert als kleine Larve, oft zwischen den basalen Blattscheiden der Wirtspflanze, und vollendet die Entwicklung im folgenden Frühjahr. Die Puppe bildet sich an der Basis eines Grashalms oder im Bodenstreu. Die Larvenphase dauert insgesamt rund zehn Monate — weit länger als bei den meisten gemäßigten Schmetterlingen.
Verhalten
Erwachsene sind bei Sonnenschein am aktivsten; bei trübem Wetter schließen sie die Flügel und werden fast unsichtbar. Männchen sitzen auf Grashalmen oder patrouillieren kurze Kreise über Wiesenvegetation und warten auf Weibchen. Beide Geschlechter saugen an niedrigen Blüten — Disteln, Klee und Hahnenfuß sind Favoriten.
Die Art ist relativ standorttreu: die meisten Individuen bleiben innerhalb weniger hundert Meter ihres Schlupfortes. Das macht lokal isolierte Populationen sehr anfällig für Lebensraumverlust.
Naturschutz
Der Wald-Mohrenfalter ist global Nicht gefährdet (LC) gelistet, aber regionale Trends sind in West- und Mitteleuropa negativ. Traditionelle Heuwiesen-Bewirtschaftung mit spätem Sommermähen nützt Populationen, indem offene Grasstruktur erhalten und Buschaufwuchs verhindert wird. Wo Entwässerung den Grundwasserspiegel senkte oder Wiesen in Acker umgewandelt wurden, verschwindet die Art schnell und kolonisiert selten nach Verlust.





