Perlgras-Veissling
Der Perlgras-Veissling (Coenonympha arcania) ist ein kleiner Augenfalter Mitteleuropas und Südeuropas — weißer postdiskaler Streifen und silberumringte Augenflecken.

Wichtigste Fakten
- Lateinischer Name
- Coenonympha arcania
- Familie
- Nymphalidae
- Flügelspannweite
- 33–40 mm
- Flugzeit
- Juni — Juli
- Futterpflanzen
- Gemeines Ruderhirse (Brachypodium pinnatum), Wald-Hahnenfußgras (Milium effusum), Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora)
- Schutzstatus
- LCNicht gefährdet (Least Concern)
Aussehen
Der Perlgras-Veissling ist ein kleiner bis mittelgroßer Schmetterling mit 33–40 mm Flügelspannweite. In Ruhehaltung — Flügel stets geschlossen — liefert die Hinterflügelunterseite die klarsten Merkmale:
- Breiter weißer oder blass-cremefarbener postdiskaler Streifen über die äußere Hälfte des Hinterflügels
- In der weißen Bahn eine Reihe von fünf bis sechs schwarzen Augenflecken, jeweils von orange-gelbem Ring umgeben und mit silber-weißer Pupille
- Innerer Hinterflügel graubraun; Außenrand jenseits der Augenflecken grau, oft mit schwachem violettem Schimmer bei frischen Individuen
Die Oberseite ist schlicht orange-rotbraun mit dunkelgrauem Rand, bei Weibchen etwas dunkler. Im Gegensatz zum nahen Verwandten Kleinen Wiesenvögelchen sind oben keine Augenflecken sichtbar. Die Vorderflügelunterseite ist orange-buff mit kleinem apikalen Augenfleck.
Männchen sind etwas heller als Weibchen; abgenutzte Individuen verlieren silberne Pupillen und der weiße Streifen verblasst zu blass-buff.
Verbreitung und Lebensraum
Der Perlgras-Veissling kommt von Nordspanien und Frankreich ostwärts durch Alpen, Apenninen, Balkan und Anatolien bis Kaukasus und Nordiran vor. Er fehlt auf den Britischen Inseln, in den Niederlanden und Skandinavien; die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft grob durch Norddeutschland und Polen.
Die Art ist im Wesentlichen Wald-Rand-Spezialist. Sie gedeiht in:
- Sonnigen Wegen und Lichtungen in Laub- und Mischwald, besonders auf Kalkböden
- Buschigen Magerrasen, wo Farn, Brombeere oder Hasel am Rand partielle Schatten spenden
- Niederwald, wo regelmäßiger Schnitt ein wechselndes Mosaik offener und schattiger Flächen schafft
- Waldweiden und traditionell bewirtschaftete Waldränder in Mitteleuropa
Er meidet durchgehend schattige Waldinneres und stark beweidete oder gedüngte Wiesen. Warme, geschützte Südhang-Abhänge mit Gras- und Strauchmischung sind durchgehend die besten Standorte.
Lebenszyklus
Der Perlgras-Veissling ist einjährig einbrütig; Erwachsene fliegen von Mitte Juni bis Ende Juli (Ende Mai bis Juni in tieferen Lagen im Süden; Juli bis Anfang August in den Alpen oberhalb 1.000 m).
Eier werden einzeln auf Grashalme gelegt, meist auf schattigen Pflanzen am Waldrand. Die Raupe ist grün mit blassem Seitenstreifen und tarnt sich an den Grashalmen, an denen sie frisst. Sie überwintert halbwüchsig, typisch im Laubstreu an der Basis der Wirtspflanze, und vollendet die Nahrungsaufnahme im Frühjahr. Wirtgräser sind Gemeines Ruderhirse (Brachypodium pinnatum), Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora) und Wald-Hahnenfußgras (Milium effusum).
Die Puppe bildet sich Anfang Juni an der Basis eines Grashalms oder in niedriger Vegetation. Der Erwachsene schlüpft nach zwei bis drei Wochen.
Verhalten
Erwachsene sind an sonnigen, ruhigen Tagen am aktivsten. Männchen sitzen auffällig auf Grashalmen, Farnwedeln oder niedrigen Strauchzweigen und machen kurze Ausflüge, um Weibchen oder Rivalen abzufangen. Beide Geschlechter saugen eifrig Nektar — Brombeerblüten, Wildmajoran und Acker-Witwenblume sind besonders beliebt, wo sie an Waldrändern vorkommen.
Der Perlgras-Veissling ist standorttreu. Die meisten Individuen bleiben während ihres kurzen Erwachsenenlebens in einem passenden Habitatfleck von wenigen Hektar. Das macht Populationen in isolierten Fragmenten — ein einzelner Waldweg, eine kleine Kalkwiese von Ackerland umschlossen — sehr anfällig: nach Verlust kolonisiert die Art selten ohne gezieltes Management zur Schaffung verbindender Lebensräume.
Naturschutz
Die Art ist global Nicht gefährdet (LC) gelistet. In Mitteleuropa bleibt sie weit verbreitet, regionale Trends zeigen aber Rückgang an nördlichen und westlichen Verbreitungsrändern. Die zentrale Management-Empfehlung ist Erhalt strukturierter Waldränder: Wege sollten im Wechsel geschnitten werden, sodass stets einige Abschnitte offen und sonnendurchflutet sind, andere angrenzenden Schatten bieten. Zugewachsene Wege mit vollständigem Kronenschluss und jährlich gleichmäßig gemähte Wege versagen beide für die Art. Wo Kalkmagerrasen an Wald grenzt, erhalten traditionelle extensive Beweidung oder Heumahd die Bestandsstruktur, die Raupen brauchen.





