Saugrüssel
Der Saugrüssel ist das Mundwerkzeug eines erwachsenen Schmetterlings, geformt als flexible Röhre zum Saugen von Nektar und anderen Flüssigkeiten. In Ruhe ist er spiralig aufgerollt.

Was ist der Saugrüssel
Saugrüssel (Proboscis, lateinisch proboscis) ist ein spezialisiertes Mundwerkzeug eines erwachsenen Schmetterlings, angepasst an die Aufnahme flüssiger Nahrung. Er ist eine flexible, hohle Röhre, gebildet aus zwei verwachsenen Galeae — modifizierten Teilen des Unterkiefers (Maxille).
In Ruhe ist der Rüssel zu einer engen Spirale unter dem Kopf des Schmetterlings aufgerollt. Beim Fressen streckt er sich und wird in eine Blüte oder eine andere Nahrungsquelle eingeführt.
Wie der Saugrüssel funktioniert
Das Prinzip ist Saugen: Kräftige Rachenmuskeln erzeugen ein Vakuum, und Flüssigkeit steigt durch die Röhre auf. Der Rüssel selbst zieht sich nicht zusammen — er ist nur ein flexibler Leiter.
Die Länge des Saugrüssels variiert stark zwischen den Arten:
- Bei den meisten Tagfaltern — 1–3 cm
- Bei manchen Schwärmern (nachtaktiv) — bis zu 30 cm (Rekord — Xanthopan morganii praedicta)
Charles Darwin sagte eine madagassische Orchidee mit einem 30 cm langen Nektarsporn voraus — und einen entsprechenden Bestäuber mit gleicher Rüssellänge. Beide wurden 40 Jahre später gefunden.
Saugrüssel und Ernährung
Der Saugrüssel ermöglicht die Aufnahme von:
- Blütennektar
- Saft überreifer Früchte
- Flüssigkeit aus feuchtem Boden (Pfützensaugen)
- Hämolymphe aus Insektenwunden (bei manchen tropischen Arten)
Arten mit verkümmertem Saugrüssel
Manche Schmetterlingsarten nehmen als erwachsene Tiere überhaupt keine Nahrung auf — ihr Rüssel ist unterentwickelt oder verwachsen. Sie leben von Reserven, die sie als Raupen angelegt haben. Solche Schmetterlinge leben 2–5 Tage — gerade lang genug, um sich zu paaren und Eier zu legen.
Mehr zur Ernährung — im Artikel was Schmetterlinge fressen.



