Raupe
Die Raupe ist das Larvenstadium eines Schmetterlings, deren Hauptaufgabe das Fressen und Wachsen ist — sie speichert etwa 99 % der für die Verwandlung nötigen Energie.

Was ist eine Raupe
Die Raupe ist das Larvenstadium eines Schmetterlings (und einer Motte), die zweite von vier Phasen der vollständigen Metamorphose: Ei → Raupe → Puppe → Imago.
Die biologische Aufgabe der Raupe ist einfach: fressen und wachsen. Während ihres Larvenlebens speichert sie organische Substanz, die zum Baumaterial für den erwachsenen Schmetterling wird. Manche Arten vergrößern ihre Körpermasse im Vergleich zur frisch geschlüpften Larve um das 1.000- bis 10.000-Fache.
Körperbau
Der Raupenkörper besteht aus dem Kopf, drei Brustsegmenten und zehn Hinterleibssegmenten.
Kopf
Eine harte, chitinisierte Kapsel. Am Kopf befinden sich:
- Kauende Mandibeln — kräftige Kiefer zum Zerkauen von Blättern
- Sechs Paar einfache Augen (Stemmata) — nur grobe Wahrnehmung von Licht und Schatten
- Spinndrüse — seidenabsondernde Drüsen, die an der Basis der Unterlippe münden; der Faden dient zur Befestigung am Untergrund, zum Spinnen von Kokons und zum Schutz
Beine
Die Raupe hat zwei Beintypen:
| Typ | Anzahl | Lage | Bau |
|---|---|---|---|
| Brustbeine | 3 Paare | Brustsegmente | Gegliedert, mit Kralle |
| Bauchbeine (Afterbeine) | 2–5 Paare | Hinterleibssegmente | Fleischig, mit Häkchen |
Bauchbeine sind einzigartig bei Raupen; erwachsene Schmetterlinge haben sie nicht. Häkchen an der Sohle ermöglichen der Raupe, Blätter und Stängel fest zu greifen.
Körperhülle
Die Raupenhaut ist weich und elastisch — anders als der chitinöse Panzer des Imago. Die Färbung ist sehr vielfältig: von grüner Tarnung auf einem Blatt bis zu leuchtendem Aposematismus (Warnung vor Giftigkeit).
Häutungen und Larvenstadien
Der harte chitinöse Kopf der Raupe wächst nicht mit — er muss regelmäßig abgestreift werden. Dieser Vorgang heißt Häutung (Ekdysis). Der Zeitraum zwischen zwei Häutungen heißt Larvenstadium (Instar).
Die meisten Schmetterlinge durchlaufen 4–6 Häutungen. Die Schwalbenschwanz-Raupe zum Beispiel hat fünf Larvenstadien. Nach der letzten Häutung wird die Raupe zur Puppe.
Vor der Häutung stellt die Raupe das Fressen ein, befestigt sich am Untergrund und reißt die alte Haut an der Basis der Kopfkapsel auf.
Ernährung der Raupe
Die überwiegende Mehrheit der Raupen ist phytophag: Sie ernährt sich von Pflanzengewebe. Jede Art ist an bestimmte Wirtspflanzen gebunden.
- Monophage — ernähren sich von einer einzigen Pflanzenart oder -gattung (zum Beispiel fressen Seidenspinnerraupen nur Maulbeerblätter)
- Oligophage — mehrere verwandte Pflanzen (viele Bläulinge)
- Polyphage — ein breites Spektrum an Pflanzen (Distelfalter, manche Bärenspinner)
Seltene Ausnahmen sind räuberische Raupen: manche Bläulinge fressen Ameisenlarven.
Verteidigungsanpassungen
Raupen sind beliebte Beute für Vögel, Wespen und parasitische Fliegen. Die Evolution hat viele Verteidigungsstrategien hervorgebracht:
- Kryptische Färbung — Tarnung als Blatt, Rinde oder Vogelkot
- Aposematismus — leuchtende Färbung als Warnung vor Giftigkeit (Raupen, die sich von giftigen Pflanzen ernähren, sammeln Toxine an)
- Osmeterium — gabelförmiges Organ der Ritterfalter: bei Bedrohung wird es hinter dem Kopf ausgestülpt und sondert einen scharfen Geruch ab
- Haare und Dornen — bei vielen Edelfaltern und Bärenspinnern; manche können Hautreizungen verursachen
- Mimikry — Ähnlichkeit mit gefährlichen Objekten (zum Beispiel einer Wespe)
Raupe und Puppe
Wenn die Raupe genug Nährstoffe gespeichert und die erforderliche Anzahl an Häutungen abgeschlossen hat, bereitet sie sich auf die Verpuppung vor. Sie stellt das Fressen ein, entleert den Darm und sucht einen geeigneten Ort — Stängel, Blatt, Boden oder Baumrinde.
Dann befestigt sich die Raupe mit einem Seidenfaden und streift die letzte Larvenhaut ab, unter der die Puppe zum Vorschein kommt. Die Puppe wirkt äußerlich regungslos, doch im Inneren wird der Organismus vollständig umgebaut.
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