Fühler
Schmetterlingsfühler sind paarige Sinnesorgane am Kopf, die zur Wahrnehmung von Gerüchen, Pheromonen und Vibrationen dienen. Ihre Form ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.

Bau und Lage
Fühler (Antennen) sind paarige Anhänge am Insektenkopf, die sich zwischen den Augen befinden. Bei Schmetterlingen bestehen sie aus drei Teilen:
- Scapus — das Basalglied, das den Fühler mit dem Kopf verbindet
- Pedicellus — das zweite Glied; enthält das Johnstonsche Organ, einen Vibrationsrezeptor
- Flagellum — der lange, vielgliedrige Teil, der die meisten Rezeptoren trägt
Die Fühleroberfläche ist mit Sensillen bedeckt — spezialisierten empfindlichen Härchen und Grübchen, die chemische, mechanische und thermische Signale wahrnehmen.
Funktionen der Fühler
Geruchssinn
Die Hauptfunktion der Fühler ist die Chemorezeption: die Wahrnehmung von Gerüchen. Tausende olfaktorische Sensillen nehmen flüchtige Moleküle in der Luft wahr. Ein Schmetterling findet Wirtspflanzen zur Eiablage und Quellen für Nektar hauptsächlich über den Geruch, besonders auf große Entfernung.
Pheromonwahrnehmung
Die Fühler sind das primäre Organ zur Wahrnehmung von Pheromonen — chemischen Geschlechtssignalen. Männchen vieler Arten haben eine vergrößerte olfaktorische Oberfläche an den Fühlern, wodurch sie weibliche Pheromone aus mehreren Kilometern Entfernung wahrnehmen können.
Gleichgewicht und Orientierung
Das Johnstonsche Organ im Pedicellus nimmt mechanische Vibrationen wahr — Schall und Erschütterungen. Das hilft dem Schmetterling, im Flug das Gleichgewicht zu halten und Luftbewegungen wahrzunehmen.
Fühlerform: Tagfalter gegen Nachtfalter
Die Fühlerform ist eines der wichtigsten Merkmale zur Unterscheidung von Tagfaltern und Nachtfaltern:
| Gruppe | Fühlerform |
|---|---|
| Tagfalter | Keulenförmig (mit Verdickung an der Spitze) |
| Schwärmer | Verjüngt, spitz zulaufend |
| Eulenfalter, Spanner | Fadenförmig, kammartig, gefiedert |
| Kleinschmetterlinge | Fadenförmig, oft mit Fransen |
Keulenförmige Fühler mit deutlicher „Keule" an der Spitze sind ein zuverlässiges Zeichen für einen Tagfalter.
Fühler bei der Artbestimmung
Fühlerlänge, Anzahl der Flagellumsegmente sowie Form und Größe der Keule sind wichtige taxonomische Merkmale. Bei Dickkopffaltern (Familie Hesperiidae) etwa ist die Keule hakenförmig, was sie sofort von anderen Tagfaltern unterscheidet.
Das vollständige Glossar finden Sie im Abschnitt Glossar.


