Bärenspinner
Bärenspinner (Erebidae, Unterfamilie Arctiinae) — leuchtend gefärbte Nachtfalter mit chemischer Abwehr und pelzigen Raupen. Eine der größten Schmetterlingsfamilien.

Was sind Bärenspinner
Bärenspinner ist der gebräuchliche Name für die Unterfamilie Arctiinae innerhalb der Familie Erebidae, einer der größten Schmetterlings- und Mottenfamilien der Welt mit rund 24.000 beschriebenen Arten. Die Erebidae selbst sind bemerkenswert vielfältig und umfassen Eulenfalter, Trägspinner, Flechtenbärchen und Bärenspinner — Gruppen, die früher als eigenständige Familien galten, aber nach molekularphylogenetischen Studien der 2010er-Jahre zusammengeführt wurden. Im Alltags- und populärwissenschaftlichen Sprachgebrauch hat sich der Name „Bärenspinner“ speziell für Arctiinae durchgesetzt — den bekanntesten und farbenprächtigsten Teil dieser riesigen Familie.
Charakteristische Merkmale
Starker Farbkontrast. Bei den meisten Bärenspinnern sind die Vorderflügel unauffällig — cremefarben, grau oder braun mit gesprenkeltem Muster —, während die Hinterflügel beim Zeigen leuchtend rot, gelb oder orange mit dunklen Flecken aufblitzen. Diese Kombination aus Tarnung in Ruhe und plötzlichem Farbausbruch bei Bedrohung ist das auffälligste Merkmal der Gruppe.
Chemische Abwehr. Die Raupen vieler Bärenspinner speichern giftige Pflanzenstoffe — Pyrrolizidinalkaloide aus Kreuzkraut und verwandten Pflanzen —, die bis ins Erwachsenenstadium erhalten bleiben. Manche Arten sondern bei Angriff zusätzlich ein schaumiges Sekret aus Brustdrüsen ab.
Ultraschall-Abwehr. Erwachsene Bärenspinner können mit spezialisierten Strukturen am Thorax (Timbalorganen) Ultraschallklicks erzeugen, die die Echoortung von Fledermäusen stören — eine der wenigen Insektengruppen mit aktiver akustischer Abwehr gegen Fledermäuse als Fressfeinde.
„Wollbär“-Raupen. Die Larven sind dicht mit langen, oft schwarz-rostrot-orangen Borsten bedeckt, was sie zu einigen der unverwechselbarsten Raupen der Nordhalbkugel macht.
Wichtigste Vertreter
Brauner Bär (Arctia caja) — der Archetyp der Gruppe: cremig-braune Vorderflügel mit einzigartigem individuellem Muster, scharlachrote Hinterflügel mit blauschwarzen Flecken. Siehe die Artseite.
Weitere bekannte Gattungen sind Tyria und Diacrisia, dazu zahlreiche tropische Gattungen mit ebenso auffälliger Färbung.
Verbreitung und Lebensraum
Die Erebidae insgesamt sind eine weltweit verbreitete Familie, die auf jedem Kontinent außer der Antarktis vorkommt. Bärenspinner (Arctiinae) sind besonders artenreich in den Tropen, doch viele Arten, darunter der Braune Bär, sind auch in den gemäßigten Breiten Eurasiens und Nordamerikas weit verbreitet, wo sie Wiesen, Waldränder, Gärten und andere offene Lebensräume mit vielfältigem Bewuchs besiedeln.
Wie man sie nicht mit anderen Familien verwechselt
- Von Augenfaltern und anderen Tagfaltern: Bärenspinner fliegen hauptsächlich nachts und halten die Flügel in Ruhe dachförmig, wobei die leuchtenden Hinterflügel verborgen bleiben.
- Von Pfauenspinnern: Bärenspinner sind deutlich kleiner und haben nicht die charakteristischen Augenflecken der Saturniidae.
- Von anderen Mottenfamilien: Das diagnostische Merkmal der Bärenspinner ist die Kombination aus unauffälligem Vorderflügel und leuchtendem Hinterflügel zusammen mit einer dicht behaarten Raupe.