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Nymphalinae

Augenfalter

~1 Min.Nymphalinae

Augenfalter (Satyrinae) — eine Edelfalter-Unterfamilie mit charakteristischen Augenflecken. Mehr als 2.400 Arten weltweit, etwa 150 in Russland. Spezialisiert auf Gräser.

Augenfalter

Was sind Augenfalter

Augenfalter sind die Unterfamilie Satyrinae innerhalb der Familie der Edelfalter (Nymphalidae). Sie sind eine der größten Gruppen der Tagfalter: etwa 2.400 Arten weltweit und etwa 150 Arten in Russland. Sie kommen auf jedem Kontinent außer der Antarktis vor, sind aber besonders in der gemäßigten Zone und in den Bergen artenreich.

Der Name „Augenfalter" spiegelt ihr Erscheinungsbild wider: Bei den meisten Arten sind die Flügel samtig braun, grau oder ockerfarben mit gedämpfter Färbung. Vor diesem Hintergrund heben sich Augenflecken (Ozellen) ab — runde Muster mit dunklem Zentrum und hellem Ring, oft mit einer weißen „Pupille". Das ist das wichtigste optische Merkmal der Gruppe.

Familienmerkmale

Augenflecken sind diagnostisch für die meisten Augenfalter. Die Flecken können auf den Vorderflügeln, den Hinterflügeln oder auf beiden Flügelpaaren sitzen. Ihre Funktion ist es, Angriffe abzulenken: Ein Fressfeind (ein Vogel) schlägt nach dem „Auge" statt nach dem Körper und gibt dem Falter so eine Fluchtchance mit einem beschädigten, aber nicht lebenswichtigen Flügelteil.

Kryptische Färbung. Die meisten Arten sind braun, grau oder ockerfarben und passen sich Boden, Rinde oder trockenem Gras an. Die Unterseite verschmilzt besonders gut mit dem Untergrund: Ein Augenfalter mit gefalteten Flügeln auf einem Stamm oder am Boden ist kaum sichtbar.

Verkürzte Vorderbeine — wie bei allen Edelfaltern. Augenfalter laufen auf vier Hinterbeinen; das vordere Paar ist verkürzt und dient als Geruchsorgan — der Falter „schmeckt" damit eine Pflanze, wenn er entscheidet, ob er Eier ablegt.

Der Flug ist bei den meisten Arten niedrig, „hüpfend" oder gleitend. Sie nutzen aktiv Thermik an erwärmten Felsen und Hängen.

Raupen und Wirtspflanzen

Das ist ein Schlüsselmerkmal, das Augenfalter von den meisten anderen Edelfaltern unterscheidet. Die Raupen fast aller Arten ernähren sich von Gräsern und Seggen (selten anderen Einkeimblättrigen): Wiesenrispengras, Schwingel, Knäuelgras, Segge. Daher ihre Bindung an offene Wiesen- und Steppengesellschaften.

Die Raupen bewegen sich langsam, sind grün oder grün gestreift und gut auf Grashalmen getarnt. Viele überwintern als Raupe und setzen die Nahrungsaufnahme im zeitigen Frühjahr fort.

Wichtige Arten in Russland

Großes Ochsenauge (Maniola jurtina)

Der häufigste Augenfalter in den mittleren Breiten Russlands. Flügelspannweite 40–55 mm. Männchen: braun mit einem „Augenfleck" auf dem Vorderflügel. Das Weibchen ist deutlich heller, mit einem ockerfarbenen Feld um die Augenflecken. Auf jeder Wiese, jedem Waldrand oder Wegrand zu finden — eine der häufigsten Sommerarten. Flugzeit Juni bis August.

Rotbraunes Ochsenauge (Aphantopus hyperantus)

Dunkelbraun, fast schokoladenfarben, mit deutlichen gelb umrandeten Augenflecken. Flügelspannweite 35–45 mm. Bevorzugt feuchte Wiesen, Waldlichtungen und Gebüsche an Bächen. Weit verbreitet im europäischen Russland und in Sibirien.

Waldportier (Minois dryas)

Größer (50–60 mm), mit großen blauen „Pupillen" in den Augenflecken. Das Männchen ist dunkelbraun; das Weibchen heller. Lebt an Wiesenrändern und Lichtungen mit hohem Bewuchs. Örtlich selten.

Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus)

Klein (25–35 mm), blass ockerfarben oder rötlich, mit einem kleinen Augenfleck auf dem Vorderflügel. Häufig und weit verbreitet in offenen Lebensräumen. Fliegt von Mai bis September in zwei Generationen. Vielleicht der „unauffälligste" Wiesenschmetterling — wegen seiner matten Farbe oft übersehen.

Mohrenfalter (Erebia)

Eine Berggattung mit mehreren Dutzend Arten in Russland. Dunkelbraun oder fast schwarz, mit rötlich-orangen Bändern und kleinen Augenflecken. Leben hauptsächlich in der alpinen und subalpinen Stufe des Urals, Kaukasus, Altai und der Sajan-Berge. Manche Arten sind Endemiten einzelner Gebirgszüge.

Gelbringfalter (Lopinga achine)

Groß (50–60 mm), braun, mit Reihen gelber Augenflecken auf beiden Flügelpaaren. Lebt in lichten Laub- und Mischwäldern mit gut entwickelter Krautschicht. In den Roten Listen mehrerer Regionen verzeichnet.

Braunauge (Lasiommata maera)

Braun mit ein oder zwei Augenflecken auf dem Vorderflügel. Typisch für steinige Hänge, Waldränder und Kahlschläge. Die Hinterflügelunterseite hat ein marmoriertes Muster.

Wo und wann man sie findet

Die meisten russischen Augenfalter leben auf offenen Wiesen und an Waldrändern — wo Gräser für die Raupen und Nektarblüten für die erwachsenen Falter wachsen. Weitere Lebensräume: Steppen, Bergwiesen, lichte Wälder, Heideland.

ArtLebensraumFlugzeit
Großes OchsenaugeWiesen, WaldränderJuni–August
Rotbraunes OchsenaugeFeuchte Wiesen, GebüscheJuni–August
Kleines WiesenvögelchenAlle offenen WiesenMai–September
WaldportierWiesenränder mit hohem BewuchsJuli–August
Mohrenfalter (Erebia)BergwiesenJuni–August
GelbringfalterLichte WälderJuni–Juli

Für die Beobachtung eignen sich am besten sonnige, windstille Tage von Juni bis August. Augenfalter nähren sich aktiv an blühenden Gräsern und Doldenblütlern und sonnen sich oft mit halb geöffneten Flügeln auf dunklen Steinen.

Augenfalter als Indikatoren für den Wiesenzustand

Augenfalter reagieren empfindlich auf Veränderungen der Krautschicht. Eine Verbuschung oder Vergrasung mit hohen Kräutern oder Sträuchern zerstört ihre Nahrungsgrundlage — die Raupen brauchen typische Wiesengräser, nicht Bärenklau oder Himbeere. Das Aussetzen mäßiger Beweidung oder Mahd führt zum raschen Verlust mehrerer Arten.

Eine hohe Vielfalt an Augenfaltern auf einer Wiese ist ein Zeichen für traditionelle Landnutzung und einen guten Zustand des Lebensraums.

Verbindungen zu anderen Familien

Augenfalter gehören zu den Edelfaltern und teilen mit ihnen die verkümmerten Vorderbeine. Sie werden oft mit Perlmuttfaltern oder frühlingsaktiven Edelfaltern verwechselt — doch Perlmuttfalter haben keine charakteristischen „Augenflecken", und ihre Färbung ist leuchtender. Eine ausführliche Abgrenzung findet sich im Farbbestimmer.

Häufig gestellte Fragen